Von Nord- und Südstaaten!

(Montag, 06. August 2018)

 

Hallo, verehrte Leserinnen und Leser. Es hat mich einiges an Zeit gekostet, von dem Gehirnschmalz mal ganz abgesehen, mir einen Grundstamm für vorliegende Geschichte zu basteln, darauf aufzubauen und etwas zu erzählen, das es wert ist, noch unseren Kindeskindern weiterzugeben. Die Vergangenheit kann man nicht auslöschen. Man kann sie verdrehen (so wie die Wahrheit), aber eben nicht einfach den Tintenkiller ansetzen und eine ganze Geschichte aus den Büchern entfernen. So läuft das eben nicht. 

 

Aus diesem Grunde kamen wir auf die glorreiche Idee, nachdem wir bereits einige Male in diesem riesigen Land unterwegs waren, der amerikanischen Geschichte endlich eine Chance zu geben und auf einige erste Fragen plausible Antworten zu finden. Woher rührt nur der Patriotismus, der hier allgegenwärtig zu sein scheint? Um was ging es eigentlich im Bürgerkrieg? Oder stellen wir plötzlich fest, dass es sich eigentlich um einen Burgerkrieg handelte und es schlicht und ergreifend an der Übersetzung gehapert hat? Ein erstes Anzeichen hierfür könnte auf den ersten Blick zumindest einer der bedeutendsten Schauplätze namens Gettysburg zu sein. Na, könnt ihr die Hinweise auch schon entdecken? 

Wir jedenfalls begaben uns die letzten beiden Wochen unserer Reise vehement auf die Suche der wichtigsten Orte, die unweigerlich mit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika in Verbindung stehen. Und dies ist unsere Geschichte über deren Geschichte. 

 

Damit mir Abends im Bett die Augen auch schneller zufallen, dachte ich am Anfang unserer Reise daran, mir ein Buch zuzulegen, wollte aber andererseits extrem wenig Geld dafür ausgeben. Sozusagen ein Sparbuch. Na gut, wir wollen hier mal nicht albern werden. Jedenfalls schlenderte ich so durch eine der noch übriggebliebenen Filialen von Barnes & Noble, als mein Blick auf dem Angebotstisch mit amerikanischer Historienliteratur hängenblieb. „Shocking Secrets of American History - 115 surprising and amusing tales“. Das klang ja schon nach einem spannenden Betthupferl. Ich kam, sah und kaufte. Es beginnt im Amerika um 1770, wandert weiter zum Bürgerkrieg und endet nach einigen weiteren Etappen im 20. Jahrhundert. Zum Besten gegeben werden darin kleine, zweiseitige Anekdoten über die amerikanische Geschichte, die der Otto-Normal-Amerikaner auf keiner Schule lernt. Dafür muss er schon ein Buch in die Hand nehmen. Ende des Vorgeplänkels. Wir müssen uns heute etwas sputen, da am Ende des Tages sonst immer so wenig Zeit übrig ist.

Jedenfalls, um jetzt mal wieder den Faden aufzunehmen, laß ich da diese Geschichte aus dem Bürgerkrieg (welche dürfte für den weiteren Verlauf meines Berichtes keine Rolle spielen), in der die Schlacht von Gettysburg im Bundesstaat Pennsylvania Erwähnung fand. Aufgrund der Tatsache, dass wir sowieso gerade etwas angefressen vom Wetter hoch im Norden waren und wir am besten mit spontanen Kurzschlusshandlungen funktionieren, stand schon bald unsere Entscheidung fest. Ab in den Süden - der Sonne hinterher. Naja, fast jedenfalls. Wenigstens lag kein Schnee mehr. 

 

So wartete also die längste Etappe unserer Reise auf uns. Von Waterbury, Vermont, knappe 90 km von der kanadischen Grenze entfernt, nach Gettysburg im schönen Pennsylvania, gute 900 km von der kanadischen Grenze entfernt. Für Freunde des verrückten Zahlenspiels dürfte es jetzt bestimmt ein leichtes sein, herauszufinden, wie weit wir schließlich fahren mussten, um unsere finale Destination zu erreichen. Leider wirft die Schreiberei noch nicht so viel ab, dass ich hier exorbitante Preise für die richtige Lösung vergeben kann. Genau genommen wirft sie gar nichts ab. Ihr könnt euch aber gedrückt fühlen. Ist doch auch schon was.

Da reiten wir also wie einst General Lee mit seinen Truppen in Gettysburg ein und finden auch prompt eine geeignete Bleibe für eine Nacht. Noch zentraler wäre eigentlich nur direkt auf dem Schlachtfeld gewesen, um beiläufig noch einmal die optimale Lage zu erwähnen.

 

Der Bürgerkrieg - ein Buch mit mindestens sieben Siegeln

 

Nachfolgend versuche ich das auf unserer Exkursion erlernte frei und in eigenen Worten für jedermann oder -frau verständlich wiederzugeben. 

 

Also, das war so:

 

Abraham Lincoln, passionierter Gegner der Sklaverei, wurde, wie allen bekannt sein müsste, im Jahre 1861 zum 16. US-Präsidenten gewählt. Die Südstaaten allerdings fanden Sklaverei toll und traten als Protest zu dieser Wahl aus den Vereinigten Staaten aus, um einen eigenen Verein zu gründen, die sogenannte Konföderation. Bis dahin mitgekommen? Durch die Blume allerdings schien man uns offensichtlich mitteilen zu wollen, dass die Südstaatler einfach Angst hatten, plötzlich selbst arbeiten zu müssen. Der Krieg dauerte schließlich fast auf den Tag genau vier Jahre an, die Union oder Nordstaaten (die, die die Sklaverei abschaffen wollten) gewannen am Ende und die anderen, die Südstaaten oder Konföderierten waren kreuzunglücklich und gründeten daraufhin den Ku-Klux-Klan. Na gut, vielleicht nicht alle. Manche kamen zur Besinnung und konnten wieder prima in die Gesellschaft eingegliedert werden. 

Am Ende des Krieges hatten mehr als eine halbe Million Menschen im Kampf ihr Leben verloren, die Sklaven endlich ihre Freiheit und durch weitere Verfassungszusätze sogar das Bürger- und Wahlrecht erlangt. 

 

Dies war also nun mein kurzer geschichtlicher Abriss zum Thema Bürgerkrieg. Wahrscheinlich würde mir jeder studierte Historiker auf’s Dach steigen, weil ich nämlich bestimmt andere wichtige Ereignisse vollkommen vergessen habe, zu erwähnen. Zumindest aber wäre mir trotz meiner Wissenslücken ein Posten bei RTL als Bürgerkriegs-Experte gesichert. Hab gehört, die nehmen jeden.

Jetzt aber endlich zurück in unsere Gegenwart nach Gettysburg (obwohl, eigentlich ist das ja auch schon wieder Vergangenheit - wie verwirrend). Wie es sich für die Mutter der Unterhaltungsindustrie gehört, beginnt man den Tag im Visitors Centre bei einem Kurzfilm, der auch für Bürgerkriegs-Laien bzw. Jung und Alt eine hervorragende Einleitung bietet. Es sind keinerlei Vorkenntnisse von Nöten (evtl. der englischen Sprache, aber das war es auch schon). Genau genommen spiegelt der Film genau das wider, was ich Euch gerade in wenigen Sätzen zu Vermitteln versucht habe. Nachdem man sich also mit jungen, aufstrebenden Militärschülern das Theater geteilt hat, für die ‚Blutvergießen‘ gleich ‚für die Freiheit kämpfen‘ bedeutet und davon auch noch fest überzeugt sind, kann man sich dem Wanderzirkus anschließen und im Anschluss das Cyclorama besichtigen, eine 360° Malerei der Schlacht in Gettysburg, die nur 20 Jahre nach der Schlacht in Gettysburg entstanden ist. Allerdings muss ich dazu sagen, dass das Original offensichtlich verschollen ist und es sich bei dem Ausstellungsstück um eine Kopie des Originals handeln soll. Davon haben die Damen und Herren vor Ort natürlich nichts erwähnt. Nicht, dass am Ende der Mythos zerstört wird. Solltet ihr dann immer noch nicht genug haben, dann wartet noch das wirklich informative Museum auf die Besucher. Ob man Bock hat oder nicht, ist im Preis inbegriffen. Ausgestattet mit Exponaten aus der Schlacht, einer kleinen Abraham-Lincoln-Sonderausstellung und, der darf natürlich nicht fehlen, dem Museumshop. 

Wenn man dann endlich den Abraham Lincoln Salz- und Pfefferstreuer im Laden käuflich erworben hat, hat man wohl die nötige Reife erreicht,  das Schlachtfeld zu besichtigen. Hierzu gibt es zwei Varianten: entweder nimmt man sich einen Führer und wird mit anderen wildfremden Menschen von Punkt zu Punkt gefahren ODER man entscheidet sich für die sogenannte Auto Tour, die wie der Name schon vermuten lässt, mit dem Auto stattfindet. Mit dem eigenen. Wenn man uns fragen würde; die eindeutig bessere Lösung. Der Weg ist einmalig gut beschildert. Beinahe idiotensicher. Als Leckerli bekommt man dazu noch einen Plan ausgehändigt, auf Wunsch sogar auf Deutsch, auf dem Erläuterungen in kurzer und knapper Form zu jedem einzelnen Punkt die Besichtigung etwas vereinfacht. Entlang der Route findet man immer wieder Haltebuchten vor, der Großteil der Strecke ist nur in eine Richtung befahrbar und man kann das Tempo der Besichtigung selbst bestimmen. Genau nach unserem Geschmack. Wenn man Gettysburg wirklich gesehen und erlebt haben möchte, muss man zwingend einen ganzen Tag einplanen. Den Anfang macht man im Besucherzentrum und Museum, bevor es raus auf das Schlachtfeld geht und zum krönenden Abschluss findet man sich auf dem Gettysburg National Cemetery wieder. Hört sich zwar komisch an, ist aber so. Denn hier hat Herr Abraham Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten, am 19. November 1863 (immer noch mitten im Bürgerkrieg) eine zweiminütige Rede gehalten, um den Menschen vor Ort einzutrichtern, weshalb der Bürgerkrieg ne gute Sache war. Kam zu der damaligen Zeit, so sagt man, bei eher wenigen an. Aber heute ist die sogenannte Gettysburg Address der Brüller. Wird gerne zitiert, ist aus dem amerikanischen Schulunterricht nicht mehr wegzudenken und macht sich auf jedem Lincoln T-Shirt ausgezeichnet, das am Ende des Tages für knallharte Dollar über den Ladentisch wandert. Sex and Lincoln sells.

 

Alles in allem dauerte die Schlacht in Gettysburg nämlich nur drei Tage an, ging jedoch als die blutigste Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg in die Geschichtsbücher ein, die schließlich 43.000 Opfer forderte, wovon fast 6.000 Soldaten nie wieder nach Hause zurückkehrten. Tja, jeder ist halt auf etwas anderes stolz. Oder wie der Amerikaner von Welt sagen würde: "Freedom is not free!" Wer's glaubt.

 

Da die Stadt noch nicht einmal 8.000 Menschenseelen zählt, kann man noch einen kurzen Abstecher in die historische Stadtmitte (wenn man das so nennen kann) wagen, dann aber auch schon wieder final die Satteltaschen füttern und sich im Galopp gen Süden verabschieden. Denn wenn der Gaul genug Hafer bekam, erwartet einen nach nicht einmal zwei Stunden eine kleine, unbedeutende Stadt namens (Moment, da muss ich kurz nachschlagen) Washington D.C. Schon einmal davon gehört? Ist ja gut, war nur ein kleiner Cockpit-Ulk meinerseits. Natürlich wisst ihr mit dieser Stadt etwas anzufangen. Die Machtzentrale Amerikas war für uns der nächste Zwischenstopp auf unserer ganz persönlichen US-History-Tour 2018. Den Bericht darüber, wie es uns dort ergangen ist, werden wir uns allerdings für das nächste Mal aufsparen. 

 

Seid gespannt und bis zum nächsten Mal. Wann immer das auch sein wird. Dankeschön für's Reinschauen. Tschüss.

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