Der Ernst des Lebens 

(Montag, 18. November 2013)

 

Zuerst werden wir heute in die dunkle Vergangenheit Kambodschas eintauchen, weshalb dieser Post höchstwahrscheinlich anders sein wird als alle anderen vorher... und danach. Denn wir reden hier über die Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot, die hier mit dem Gefängnis S-21 und den Killing Fields allgegenwärtig ist.

 

Da das Gefängnis Tuolsleng fußläufig von unserem Hotel in einer Viertelstunde erreichbar ist, sollte dies heute morgen unsere erste Anlaufstelle werden. Sehr unscheinbar gelegen, kann man sich im ersten Moment gar nicht vorstellen, was hier vor fast vierzig Jahren für Gräueltaten stattfanden. Gerade auch, weil wir der Meinung sind, dass nicht ausreichend Zeit und Mühe in dieses Museum investiert wurde, um die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Im Hinblick darauf fanden wir das sehr schade. Führt Euer Weg irgendwann einmal nach Phnom Penh, sollte dennoch der erste Weg dorthin führen; doch ohne große Erwartungshaltung. Da von dort die Insassen (die, die noch lebten) später zu den Killing Fields verfrachtet wurden, sollte man sich auf jeden Fall vorher ein Bild von der "Zwischenstation" in den sicheren Tod machen. Es ist unvorstellbar, dass nur wenige Menschen Tuolsleng überlebten und innerhalb kurzer Zeit Phnom Penh menschenleer gewesen sein muss.  

 

Im Anschluss daran haben wir uns entschieden, die bereits erwähnten Killing Fields zu besuchen, was sich auf jeden Fall als die richtige Entscheidung erwiesen hat. Nicht mehr ganz fußläufig erreichbar liegt das Areal sehr weit außerhalb und der einzige Weg aus der Stadt dorthin führt über eine staubige, mit Schlaglöchern übersäte Straße. Doch bald schritten wir mit Audio-Guide (im Eintrittspreis enthalten) und Eintrittskarten bewaffnet durch eine schön angelegte, parkähnliche Anlage und nach dem Mangel an Aufarbeitung im Tuol Sleng glich diese Gedenkstätte jede Enttäuschung wieder aus. Der Kontrast zwischen heiler Welt in traumhafter Anlage und 18 Stationen, die von den hier verübten Taten der Roten Khmer zeugen, ist schon sehr unwirklich und sollte jeden zum Nachdenken anregen. Schon alleine, weil wir ebenfalls mit einer dunklen Vergangenheit zu kämpfen haben und die Macht dazu haben, so etwas nicht noch einmal geschehen zu lassen. Letztendlich gehört das Pol Pot Regime untrennbar mit der Geschichte des Landes zusammen, weshalb es nicht schaden kann, sich ein wenig damit zu beschäftigen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass vor allem die Killing Fields von Choeung Ek nichts für zartbesaitete ist und nie sein wird.

 

Eine Fahrt von einer halben Stunde zum Königspalast mit unserem Tuk-Tuk-Fahrer des Vertrauens hat uns die Möglichkeit gegeben, das gerade erlebte zu verdauen und uns auf die hoffentlich fröhlicheren nächsten zwei Tage Phnom Penh einzustimmen. Vielleicht eine Anmerkung zu der Stadt, die wir heute das erste Mal im Tageslicht erleben durften (könnte es vielleicht wieder dunkel werden?). Es scheint, denke ich, nicht unsere Stadt zu sein. Die Menschen sind anders, nicht unhöflich, aber nunmal anders. Die Tuk-Tuk-Fahrer sind weitaus aufdringlicher, verfolgen einen schon fast bis zum eigentlichen Ziel und das auch noch zu Fuß. Komische Typen. Wenn die mir das nächste Mal "Tuk-Tuk, Sir?" zurufen, sollte ich mich das nächste Mal einfach höflich bedanken, auf sein Gefährt steigen und losfahren. Der würde wahrscheinlich seinen Augen nicht trauen und ich nicht einmal bis zur nächsten Kreuzung damit kommen. Aber der Spaß wäre es mir allemal wert. Dann gibt es hier noch dazu Schlaglöcher, die sogar ein Stückchen Straße enthalten. Unglaublich. Ich möchte somit zu Hause nie wieder Klagen hören, wenn nach einem harten Winter neue Schlaglöcher sichtbar werden. Die haben hier noch nicht einmal einen Winter und Schlaglöcher so groß wie Mexiko! (Warum Mexiko? Warum nicht?

 

Jetzt aber zu unserer letzten Destination des Tages, dem Königspalast mit Silberpagode. Perfekt in der Zeit, hielten wir auch schon bald unsere Tickets in den Händen. Für unschlagbare sechs Dollar pro Person warteten wir also auf unsere Audienz beim König. Allerdings schien er für uns heute keine Zeit zu haben; bei diesem himmlischen Wetter auch kein Wunder. Also schlugen wir uns alleine durch, obwohl wir nicht mehr ganz so aufnahmefähig waren, wie zu Beginn des Tages. Große Teile des Geländes sind außerdem für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, weshalb sich das Gebiet dann schon deutlich einschränkt. Außerdem ist der Königspalast in Phnom Penh nicht im Geringsten so beeindruckend wie der Palast in Bangkok. Nur zur Information: Es handelt sich dabei um zwei verschiedene Könige. Deshalb ist eine Besichtigung des Palastes jedem Phnom Penh Besucher selbst überlassen.

Zum Abschluss möchten wir noch einmal kurz loswerden, dass dies hier wohl der schwierigste Post war, den wir bisher verfasst haben. Es ist wirklich unvorstellbar, wie so etwas in der Welt passieren kann und welche Ausmaße es nehmen kann, wenn gewisses politisches Gedankengut falsche Formen annimmt. Da muss man gar nicht weit schauen. Wir sind uns sicher, dass wir eine solche Zeit nie wieder zurück haben wollen und sollten alle daran arbeiten, um das zu bewerkstelligen. Doch jetzt Schluss mit Moralapostel, denn wir müssen wir los. Die Wanderlust ruft. .

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