Otternasen zur Halbzeit!

(Dienstag, 31. Januar 2017)

 

Wenn es eine Stadt gibt, die auf eine dokumentierte Geschichte über Jahrtausende zurückblicken kann, dann wird da in jedem Falle Rom genannt werden müssen. Mit der heiligen Vatikanstadt hatten wir begonnen und arbeiteten uns am kommenden Tage in der Zeit zurück. Von wegen, Zeitreisen seien nicht möglich. Im nachfolgenden Bericht werden wir Euch zeigen, dass es durchaus möglich ist, durch die Zeit zu reisen und am Ende im hochmodernen 2017 wieder anzukommen. Also... anschnallen, festhalten und die kleine Tour um den großen Maciosikus mit Freuden genießen.

 

Die Reise beginnt, wie könnte es auch anders sein, am seinerzeit größten errichteten Amphitheater, dem Kolosseum. Anders als früher, als sich die Römer in dieser Arena noch völlig kostenfrei die Zeit bei meist blutrünstigen Wettkämpfen vertrieben, muss der Besucher von heute die Unkosten von damals wohl wieder reinholen. Doch damit erhält man dann aber auch Zutritt zum Kolosseum, dem Forum Romanum und dem Palatin. Aktuell liegt der Preis pro Eintrittskarte bei 16 € und so beginnt man auch schonmal zu rechnen, wieviel Otternasen oder Zaunkönigleber man damals für diesen Preis in der Halbzeit bekommen hätte. Doch diese Zeiten sind nun ein für allemal vorbei, sodass uns nur noch der Gang in eine zerfallene Arena bleibt, die aber noch sehr gut erahnen lässt, welches Schauspiel sich hier früher ereignet haben muss und über welche Größenordnung man hier gerade spricht. Das ließ mich unweigerlich zurückblicken zu dem Moment, als das römische Kolosseum das erste mal in meiner Wahrnehmung aufgetaucht ist. Als kleiner Bub vor der Flimmerkiste sitzend, Bruce Lee's Kult-Film "Die Todeskralle schlägt wieder zu" glotzend, mit der Abschlusskampfszene zwischen Bruce Lee und Chuck Norris im Kolosseum von Rom. Gut, eigentlich wollte ich damals eher Karatemeister werden als nach Rom reisen, aber Zeiten ändern sich nunmal. Denn jetzt bin ich eben in die ewige Stadt gereist, nachdem meine Ambitionen, Karatemeister zu werden, schon bald nach dem Abspann des Films endeten.

Wie schon aus dem Vatikan berichtet, sollte man auch für den Besuch dieser Stätte den frühen 7:45 Uhr Zug (jedenfalls von der Haltestelle Ottaviano) nehmen, um überpünktlich vor dem Ticketschalter aufzuschlagen und in deutlichem Latein Karten für die 9 Uhr Vorstellung zu verlangen (Anm. d. Red.: Das Kolosseum öffnet seine Pforten pünktlich um 9 Uhr am Morgen). Mit einer Tunika am Leib und Riemensandalen an den Füßen könnt ihr dem gesagten zudem noch ordentlich Nachdruck verleihen. 

 

Aufgrund anhaltender Baumaßnahmen ist leider ein großer Teil des römischen Wahrzeichens nicht mehr begehbar, doch spricht der bloße Anblick des Inneren des Monumentalbaus eine eindeutige Sprache und lässt Arenen der heutigen Zeit zu Recht vor Neid erblassen. Der einstige Arenaboden ist heute gänzlich abgetragen und gibt den Blick auf die Kellerräume verschiedener Größen frei, die im antiken Rom u. a. zur Haltung wilder Tiere verwendet wurden. Nur eine kleine Plattform, die zu betreten allerdings nicht möglich ist, bildet zumindest eine moderne Rekonstruktion des Arenabodens. Trotz zwei Etagen und unzähligen Fotos waren wir "nur" knapp eine Stunde mit der Besichtigung beschäftigt. Alles in allem reicht die Zeit auf jeden Fall aus, um jeden Blickwinkel für einen Moment zu genießen und das alles ohne gehetzt zu sein. Denn auch schon bald fallen nämlich die Touristen ein, die sich morgens noch etwas länger am Frühstückstisch aufgehalten haben und jetzt zielstrebig ihrem Lollipop hinterherrennen. 

Auf eigene Faust ging es für uns im Anschluss ins Forum Romanum und den im Süden angrenzenden Palatin, der als der älteste bewohnte Teil der Stadt gilt. Vom südlichen Ende des letzteren kann man auch prima einen Blick hinunter auf den Circus Maximus werfen. Dieser war einst Schauplatz für Wagenrennen und später auch für Gladiatorenkämpfe. Heute besteht die Fläche zum allergrößten Teil aus Rasen, mit einigen freigelegten Teilen der Tribüne mit Treppe. Deshalb reicht der Blick hinunter ins Tal auch vollkommen aus. So kann man die eingesparte Zeit erst einmal für den Palatin aufwenden und sich langsam seinen Weg zum Forum Romanum zurückbahnen. 

 

Der Palatin gilt einer Legende zufolge als Gründungsort der Stadt und war zu seinen besten Zeiten bei der römischen High Society sehr beliebt, darunter u. a. der erste römische Kaiser Augustus sowie der Philosoph Cicero. Heute begeistert immer noch die Verbindung zwischen den verfallenen Gebäuden und der grünen Lunge des Palatin, die zurecht als Oase inmitten der Großstadt gilt.

Die Großzügigkeit des Forum Romanum.
Die Großzügigkeit des Forum Romanum.

Wenn man erst einmal, von den eigenen zwei Beinen getragen, den Weg vom Circus Maximus über den Palatin bis hin zum Forum Romanum zurückgelegt hat, wird einem erst einmal bewusst, wie großzügig das antike Rom errichtet wurde. Obwohl es sich eigentlich nur noch um Ruinen der ehemaligen Paläste, Tempel und Wirtschaftsgebäuden handelt, kann ich eine gewisse Faszination nicht leugnen und führe mir das Leben und Treiben zur damaligen Zeit deutlich vor Augen. Kurze Zeit zumindest können wir römische Großgrundbesitzer spielen. Doch Spielverderber in jeder Form und Farbe lauern überall und so werden wir also kurzerhand aus dem römischen Reich in die Gegenwart zurückbefördert und sind am Ende doch nur Touristen, die einen Blick in das zerfallene Spielzimmer der römischen Gesellschaft geworfen haben. 

 

Wenn man am Ende des Rundgangs über das Forum Romanum einer von den glücklichen ist, die den Ausgang gefunden haben, dann empfiehlt sich gleich im Anschluss, oder zumindest nach einer kleinen Brotzeit, der Besuch des römischen Nationaldenkmals, dem Monumento a Vittorio Emanuele II. Das Verfehlen ist quasi nicht möglich, doch man sollte nie nie sagen. So viel habe ich mittlerweile auch schon gelernt. 

Der Blick vom Monumento a Vittorio Emanuele II.
Der Blick vom Monumento a Vittorio Emanuele II.

Das Denkmal jedenfalls wurde dem ersten König des neugegründeten Königreichs Italien gewidmet, der (wer errät es?) Viktor Emanuel II. hieß. Richtig! Außer einer ewigen Flamme, die Tag und Nacht von zwei Soldaten bewacht wird, einem Reiterstandbild des Königs und einer gänzlich beeindruckenden Architektur findet man auf der Aussichtsplattform zudem meines Erachtens den wohl schönsten Blick über die italienische Hauptstadt. Und das ganze für unschlagbare 7 € für die Fahrt nach oben, während der Eintritt in das Monument an sich mit keinerlei Kosten verbunden ist. Das nenne ich mal ein Geschäft, das man unter gar keinen Umständen ausschlagen kann. Mit ausreichend Panoramaaufnahmen im Gepäck und bleibenden Eindrücken war dann aber der Moment gekommen, dem Nationaldenkmal Arrivederci zu sagen und den Weg in unsere Airbnb-Unterkunft anzutreten, um endlich die Beine nach einem anstrengenden Tag hochzulegen, diesen Artikel zu schreiben und über Ideen für den nächsten Bericht zu sinnieren. 

 

Unsere sechs Tage Rom neigen sich langsam dem Ende zu, doch Material haben wir noch ausreichend in Petto. In den nächsten Tagen, wenn wir unsere Fotos etwas sortiert und nummeriert haben und uns sicher sind, welche davon die Öffentlichkeit erreichen sollen, werden wir auf unserer Facebookseite bestimmt eine kleine Romsammlung zusammenstellen. Bis dahin wird es aber noch ein wenig dauern. Ich bitte an dieser Stelle um etwas Geduld. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Nun wünsche ich Euch wieder einmal eine schöne Restwoche mit Otternasen und Zaunkönigleber.

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Kommentare: 2
  • #1

    Tabitha (Donnerstag, 16 März 2017 20:04)

    Ein sehr gut gewählter Titel ;-)
    Leider ist Rom bei mir schon viel zu lange her...

  • #2

    Björn (Donnerstag, 16 März 2017 22:25)

    Vielen Dank Tabitha. Schön, dass Dir der Titel gefällt!