Früh am Morgen hatten wir den Petersplatz noch beinahe für uns alleine!
Früh am Morgen hatten wir den Petersplatz noch beinahe für uns alleine!

Morgens vor dem ersten Vespahupen!

(Samstag, 28. Januar 2017)

 

Herzlich willkommen in unserem Reisejahr 2017. Endlich war es diese Woche wieder soweit, dass wir uns mit einer dieser Billigfluglinien nach Rom haben bringen lassen. Mittlerweile sind europäische Metropolen nämlich nicht selten für Preise einer stinknormalen Berliner Taxifahrt zu erreichen. Gut für die Nomaden unter uns; schlecht für die Umwelt (dessen sind wir uns durchaus bewusst). Doch heute wollen wir uns einmal nicht auf diese Grundsatzdiskussion einlassen und lieber wieder zurückkehren in die ewige Stadt - Roma capitale (für Freunde des italienischen Beamtentums)!

 

Die Ankunft am Flughafen Ciampino glich bereits wieder einem kleinen, ungeduldigen Abenteuer. Denn unsere Recherche im Vorfeld ergab, dass man von dort sehr leicht und für wenig Geld mit Zug und/oder Bus den Weg in die Stadt antreten könne. Das Zugticket zum Hauptbahnhof zu beschaffen war ja noch ein Kinderspiel. Doch den richtigen Bus (einen, der nicht „broken“ ist) zur train station zu erwischen, gestaltete sich mitunter schwierig. ‚Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht‘. Doch leider konnten und wollten wir an dieser Stelle nicht mehr auf die Erleuchtung warten und heuerten kurzerhand einen Taxifahrer an, uns doch bitte zum nächsten Bahnhof zu bringen. Dass es in Rom so etwas wie Taxipauschalen gibt, war bei unserer Recherche wohl hintenübergefallen. Egal, der Taxifahrer machte eben seinen Reibach und wir waren endlich in der italienischen Hauptstadt angekommen. Grazie!

 

Das Allerwichtigste bei wohl jeder Städtereise ist es, sich vorerst mit der Umgebung vertraut zu machen (sozusagen Witterung aufnehmen) und in Rom beginnt man damit wo? Selbstverständlich im Vatikan. Auf dem Petersplatz mit Petersdom. Denn die ersten Eindrücke sind immer die wichtigsten. Das hatte damals schon Franz Beckenbauer erkannt, zwar vielleicht etwas aus dem Zusammenhang gerissen, doch irgendwie passend im Jahre 1990 bei der Weltmeisterschaft in Italien. Wie das Spiel am Ende ausging, müsste wohl weitestgehend bekannt sein. Doch wir driften ab. Tut mir leid.

 

Der Vorteil der von uns gewählten Reisezeit liegt ganz klar im geringeren Touristenaufkommen, das hier in der Stadt herrscht. Selbst am Nachmittag bleibt die Schlange vor dem Petersdom noch überschaubar, wenn man bedenkt, dass diesen Rückstau einzig und alleine die aufwendige Sicherheitskontrolle verursacht, die im Gegensatz zu anderen Kontrollen durchaus ernst genommen wird. Um aber auch dieser Unannehmlichkeit zu entgehen, empfiehlt es sich, einfach gleich morgens vor dem ersten Vespahupen den Wecker zu stellen, um pünktlich gegen 7:30 Uhr auf der Petersdom’schen Matte zu stehen und um Einlass in die Kuppel zu bitten. Mit etwas Glück (wie in unserem Falle) nehmen die das mit den Öffnungszeiten nicht so genau und gewähren um einiges früher Einlass nach oben. Dabei hat man die Wahl zwischen ungefähr 500 Stufen ohne Fahrstuhl für schlappe 6 € oder aber die unsportliche Variante mit Fahrstuhl, dafür aber nur noch 300 Stufen für sage und schreibe 8 €. Egal für welche der beiden Möglichkeiten man sich am Ende entscheidet, man wird in jedem Falle mit einem einzigartigen Blick über Rom belohnt, aufgrund unseres Früh-wach-werden-Gens sogar mit dem Luxus, die Kuppel am heutigen Tage als erstes erklommen zu haben. Ganz alleine. Keine fremde Menschenseele weit und breit. Dann noch eine fantastisch aufgehende Sonne über dem Petersplatz (den man so früh am Morgen noch beinahe für sich alleine hat) und der romantic view war perfekt. Aber bloß nicht wundern, dass es kurz nach der regulären Öffnungszeit auf der Kuppel auch schon wieder vorbei sein kann mit der Ruhe. Denn spätestens dann haben auch andere den Weg nach oben gefunden. Das war für uns dann leider auch schon wieder das Kommando zu gehen. Im Anschluss hat man dafür dann noch ausreichend Zeit, um sich in aller Seelenruhe um die Besichtigung des Petersdoms zu kümmern.    

Der Papstaltar im Petersdom mit Kuppel!
Der Papstaltar im Petersdom mit Kuppel!

Unter Zeitdruck macht die Besichtigung allerdings wenig Sinn, denn es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Man sollte sich von dem imposanten Bauwerk fesseln und treiben lassen. Wir haben auf unseren Reisen zwar schon schönere, filigranere Kirchenbauten gesehen, gewiss, doch die Größe des Petersdoms scheint ganz einfach die Macht der katholischen Kirche widerspiegeln zu wollen und ohne jeden Zweifel - mit Erfolg. Um den Überblick dabei nicht zu verlieren empfiehlt es sich, einen Reiseführer in Buchform mit sich herumzuschleppen (in unserem Falle hat sich der gute, alte Vis-a-vis bewährt). Dieser bietet nämlich meist einen kleinen Rundgang durch den Petersdom an. Mit netten kleinen Erklärungen zur Geschichte des Doms. Nicht zu vergessen, den kleinen Abzweig in die Schatzkammer. Der Eintritt liegt aktuell bei 5 € pro Person und gehört selbstverständlich zu einem Vatikan-Besuch dazu. Doch den Audio Guide würde ich das nächste Mal partout ablehnen. Solch einen Schabernack mache ich nicht noch einmal mit. Die Einleitung, die aus dem mickrigen Lautsprecher plärrte, schien sich wohl an das Krieg-und-Frieden-Epos anzulehnen und kam einfach zu keinem Schluss. Selbst die Auswahl der ersten Exponate über die jeweilige Tastenkombination versprach keine Besserung und so brachte ich die Besichtigung der Schatzkammer auch ganz gut ohne Audio Guide zu Ende. Den kleinen Unkostenbeitrag von 3 € hätte man aber sicher anders anlegen können, wie in italienisches Eis zum Beispiel. Oder in eine kleine Flasche, die man sich mit ‚holy water‘ auffüllen lassen kann. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir bis jetzt nicht wissen, woher das Wasser kam. Auf Nachfrage nach der ersten Füllung verschwand ein Mitarbeiter mit unseren Flaschen in einem abgesperrten Bereich, der so gar nicht heilig aussah und überreichte uns, oh Wunder, die mit „heiligem Wasser“ gefüllten Flaschen. Dazu gab es eine nette, kleine Petersdom-Einkaufstüte, die nun als weiteres Vatikansouvenir ihr Dasein fristen wird. Nach ungefähr vier Stunden (diese Zeit sollte man auf jeden Fall einplanen, ohne Brotzeit, sozusagen Netto) schienen wir immer noch nicht alles gesehen zu haben, doch ließ uns unsere Konzentration dermaßen im Stich, dass es für uns Zeit war, das Weite zu suchen. Wir beherrschen schließlich immer noch die Gabe, zu gehen, wenn es am schönsten ist.

Der deutsche Friedhof, nur über vatikanisches Gebiet zu erreichen!
Der deutsche Friedhof, nur über vatikanisches Gebiet zu erreichen!

Die frische Luft auf dem Petersplatz schien auch prompt unseren Entdeckergeist wiederbelebt zu haben, denn nach dem Besuch des Petersdoms stand nun die Aufgabe an, die Schweizergarde zu überzeugen, den deutschen Friedhof, den sogenannten Campo Santo Teutonico zu besuchen, der zwar auf italienischem Gebiet liegt, allerdings nur über vatikanisches zugänglich ist. Der erste Schritt besteht darin, der Schweizergarde in bestem Deutsch und möglichst in ganzen Sätzen mitzuteilen, dass man dem oben genannten Friedhof einen Besuch abstatten möchte. Dann muss man eine Kontrolle der Polizei über sich ergehen lassen, aber keine Sorge - ohne Fummeln. Im Anschluss steht man wieder vor der Schweizergarde und muss noch einmal die selbe Bitte äußern, den deutschen Friedhof besuchen zu wollen. Dann wird die Kette entfernt, der Soldat tritt zur Seite und weist einem den Weg. Stehenbleiben ist auf vatikanischem Gebiet nicht gerne gesehen. Doch keine Sorge, die werden sich schon melden, wenn man etwas falsch gemacht hat. Und wir haben schon einiges falsch gemacht. Frei nach dem Motto: Wo kein Kläger, dort kein Richter. 

 

Der Campo Santo Teutonico ist eine wunderschöne grüne Oase inmitten des Vatikans und wird zurecht als Rückzugsort für deutsche Mitarbeiter der Kurie verwendet. Hier finden auch Pilger ihre letzte Ruhestätte, die von den Pilgerwegen dort draußen leider nicht mehr nach Hause zurückgekehrt sind. Dieser Ort ist in jedem Fall unser Tipp Numero Uno für den anstehenden Rom Besuch, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn ihr dort wart. Mehr möchten wir Euch dann doch nicht verraten und verweisen an dieser Stelle lieber darauf, dass wir das nächste Mal genauso ausgiebig über unsere tolle Zeit außerhalb des Vatikans berichten werden. Denn selbstverständlich hat Rom noch viel mehr zu bieten. Wir begeben uns im nächsten Bericht dann endlich auf die Suche nach dem ganz alten Rom und werden auch nicht enttäuscht werden. 

 

Unser Aufgang in die Kuppel des Petersdom!
Unser Aufgang in die Kuppel des Petersdom!

Jetzt heißt es aber, den vorletzten Tag in dieser wirklich ansprechenden Stadt zu planen, mit dem Versuch, am letzten Sonntag des Monats kostenlos die Vatikanischen Museen mit Sixtinische Kapelle zu besichtigen. Ob das alles von Erfolg gekrönt war, erfahrt ihr bestimmt auch eines Tages hier auf diesem Kanal. Doch nun wünsche ich Euch noch viel Spaß beim Lesen und Verbreiten. Bis die Tage, keine Frage.