Konfuzius sagt...! (Samstag, 11. November 2017)

 

Hallo und erst einmal einen herzlichen Dank, dass Ihr so zahlreich unsere Berichte verfolgt, liked, teilt, kommentiert oder auch anderweitig Verwendung dafür findet. Das bedeutet uns sehr viel. (Ende der Dankesrede - lasst uns mal lieber wieder zum Kerngeschäft übergehen.)

 

Wie allen Lesern bewusst sein müsste, hinken wir der Realität etwas hinterher. Denn während wir vor einigen Tagen in Xi’an angekommen sind, war ich gerade noch dabei, an dem Bericht zu Datong zu feilen. Seitdem ist aber auch schon wieder ganz viel Wasser den Jiangtse heruntergeflossen (sitzen hier nämlich schon wieder in Shanghai) und aus diesem Grunde werden wir heute nur kurz eine Zusammenfassung der vergangenen Tage niederschreiben, sodass Euch auch bloß nichts auf unserer Reise entgeht. Und wir uns im hohen Alter wenigstens noch an irgendetwas erinnern können. Dann mal los. Wir zählen auf Euch.

Was kam nach Datong? Richtig. - Pingyao.

 

Wir haben uns bereits zu Hause tierisch auf diese kleine Stadt gefreut, denn wenn man erfahren möchte, wie das alte China gewesen sein muss, darf Pingyao auf gar keinen Fall auf dem Reiseplan fehlen. Mittlerweile hat zwar der Tourismus ordentlich Einzug erhalten, doch wenn man die Fähigkeit besitzt, die Ladengeschäfte und Nippesläden aussen vor zu lassen, kann man eine wirklich tollte Zeit dort verbringen. Bei schönem Wetter, dass wir zweifelsohne hatten, bietet sich ein gemächlicher Spaziergang auf einer der ältesten Stadtmauern Chinas an. Wenn wir übrigens von gutem Wetter sprechen, dann bedeutet das, dass die Sonne von Zeit zu Zeit die Möglichkeit bekommen hat, die Smogglocke zu durchdringen, die hier und überall in China allgegenwärtig zu sein scheint. Vor unserer Reise dachten wir eigentlich noch, dass dieses Problem nur in Großstädten herrscht, doch auch die ländlichen Gegenden haben ordentlich mit der Luftverschmutzung zu kämpfen. Irgendetwas scheinen wir zu Hause wohl richtig zu machen und können uns aus mehreren Gründen glücklich schätzen, dass wir eigentlich nur über Luxusprobleme jammern. Und wenn ihr zudem denkt, dass das Internet hier rasend schnell ist, habt ihr Euch aber ins LAN-Kabel geschnitten. Oder all meine Daten werden an irgendeinen ganz geheimen Geheimort weitergeleitet und Wort für Wort, Satz für Satz und Bild für Bild persönlich von irgendeinem ganz geheimen Geheimerjan freigegeben. Das würde jedenfalls einiges erklären.

 

Immer wieder spannend ist es für uns, in einer chinesischen Stadt, die attraktiv genug ist, um auf Postkarten gedruckt zu werden, als Langnasen-Fotomotiv herzuhalten. Mal heimlich aus der Hüfte geschossen (ihr meint wohl, wir sind dämlich und merken das nicht) und mal höflich nachgefragt. Dann bietet es sich an, das Spiel einfach mitzuspielen. Hierbei hat sich die Pose „Daumen hoch und dämlich grinsen“ als besonders erfolgreich hervorgetan. Wenn es etwas mehr zu tun geben sollte, kann selbstverständlich optional auch auf den Daumen verzichtet werden. 

Von hier ging es dann auch schon bald in die Stadt Xi’an, von der wir immer dachten, dass Xi’an die Terrakotta-Armee sei und andersherum. Doch wirklich weit gefehlt. Die Stadt hat weitaus mehr im Angebot. Und dabei landet die eben erwähnte Terrakotta-Armee eher auf den letzten Plätzen unserer atemberaubendsten Sehenswürdigkeiten. Besonders gefallen und überzeugt hat uns das kosmopolitische Flair, mit dem die Stadt uns mal wieder eiskalt erwischt hat. Empfehlenswert ist dabei ganz klar die 120-minütige Fahrradtour auf der Stadtmauer einmal rundherum. Dabei gibt es die Variante Tandem oder doch lieber jeder sein eigenes Fahrrad steuern. Für was man sich am Ende auch entscheidet, die Fahrräder sind das nackte Grauen. Mal zu klein (zu groß ist aus anatomischen Gründen eigentlich gar nicht möglich), mal scheppert und knarzt alles, doch letzten Endes haben alle eines gemeinsam. Sie bringen einen nämlich mehr oder weniger sicher ans Ziel. Der Blick von der Mauer ist wirklich fantastisch und lädt zu regelmäßigen Fotostopps ein. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Obwohl unsere Zwischenhalte wahrlich kurz gefasst waren, kamen wir am Ende beinahe in zeitliche Bedrängnis, unsere hochmodernen Drahtesel wieder abzugeben. Drahtesel wäre für diese Zweiräder im Übrigen der scheinbar richtige Begriff gewesen. 

Wer es wie wir mag, sich an Straßenständen alles, was lecker aussieht, zu gönnen, der scheint im Muslimischen Viertel mit Sicherheit an der richtigen Adresse gelandet zu sein. Vor Ort ist das Anstellen an den längsten Schlangen eigentlich beinahe ein Muss. Denn die Vergangenheit hat uns eindrucksvoll bewiesen, wenn irgendwo ein Koch alleine mit seinem Kummer am Herd herumspielt und weit und breit keine Gäste zu sehen sind, sollte man immer auf Konfuzius hören, der einst sagte: Ist ein Koch alleine in seiner Stube, kannste Dir selbst buddeln eine Grube! 

 

Auch wenn wir nicht gerade tierisch begeistert von der Terrakotta-Armee waren, möchten wir dennoch wenige Worte über den Ort verlieren, auf den die Chinesen so stolz sind. Kennt man einen Krieger, kennt man alle. Für alles weitere fügen wir Terrakotta-Armee-Bilder an. Diese können dann ausgedruckt, als Desktop-Hintergrundbild verwendet werden oder in der Familie getauscht - ich sage nur Krieger Quartett.

Zu guter Letzt möchte ich aber noch kurz auf die Bekanntschaften eingehen, die die Reise nach Xi’an so spannend gemacht haben. Bereits auf unserer Tour zu besagter Terrakotta-Armee schlossen sich drei US-Amerikaner an, die ebenfalls in unserem Hostel wohnten und auf die Namen John, Paul und Andy hörten. Wir hatten viel Spaß, haben uns morgens ohne jegliche Verabredung zum Frühstück getroffen, etwas Zeit zusammen verbracht und dusseliges Zeug gequatscht. Genau unser Ding. Am letzten Tag gesellten sich noch Angela und Markus zum Breakfast Club, die den Weg aus Lindau am Bodensee auf sich genommen haben, um dem Festlandchina ‚Hallo‘ zu sagen. Nach dem ausgiebigen letzten gemeinsamen Frühstück verabschiedete man sich, um in alle Himmelsrichtung zu verschwinden. Die Amis müssten jetzt beinahe schon auf dem Weg nach Hause sein, während Angela und Markus noch gut eine Woche in diesem prächtigen Land haben. Wir für unseren Teil sitzen hier jetzt schon wieder in Shanghai und warten auf den Startschuss des morgigen Shanghai Marathon, den ich angehe wie jeden anderen auch. Mit Pauken und Trompeten. Da meinem Läufermagen allerdings asiatische Pastaparties nicht bekommen (im Selbstversuch getestet) werde ich heute die westliche Küche der asiatischen vorziehen. Sicher ist sicher. Bin mir nämlich nicht sicher, wieviele unbeaufsichtigte Palmen es entlang der Strecke geben wird. 

Deshalb werde ich mich nun seelisch und moralisch auf die sportliche Herausforderung vorbereiten und bitte darum, dass ihr mir morgen auch tüchtig die Daumen drückt, dass ich nicht als Letzter über die Ziellinie stolpere. Alles klar meine Freunde, es ist nun an der Zeit, zu gehen und über den Sinn des Laufsports zu sinnieren. (Falls das hier jemanden interessieren sollte: habe übrigens vor wenigen Tagen eine Running Mac 2er-Staffel bei den 100 Meilen in Berlin gemeldet.) Sinnieren - Ende!


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Kommentare: 1
  • #1

    Silke (Samstag, 11 November 2017 19:32)

    Super Bilder danke dafür ! Und dir morgen einen super Lauf ! Daumen sind gedrückt !