Knast oder Canyon? (Montag, 03. Oktober 2016)

 

Wir sind wieder hier. In unser’m Revier. War’n nie wirklich weg, ham uns nur versteckt! 

 

Mit diesem eingängigen Intro melden wir uns kraftvoller als je zuvor zurück. Geographisch genauer: aus dem Staate Utah, oder auch der Beehive State genannt wird. Den Grund hierfür haben wir zwar noch nicht gefunden, aber wir arbeiten daran. Versprochen. Denn statt einem Bienen- scheinen die hier eher ein Fliegenproblem zu haben. Doch das wollen wir hier jetzt lieber nicht weiter thematisieren, da das am Ende doch zu nichts führen würde.

 

Rückblick: Vor genau zwei Jahren hatte ich das Vergnügen, Teilnehmer des 38. St. George Marathon zu sein und habe es auch zu keiner Zeit bereut. Konnte damals sogar nur eine Woche nach dem Berlin Marathon meine Bestzeit noch einmal um knapp drei Minuten unterbieten. Da stand das bei unserer Reiseplanung natürlich außer Frage, ob ich noch einmal beim diesjährigen 40. St. George Marathon mitlaufen möchte oder nicht. Die erfreulichen Erinnerungen führten mich also nun zurück zum Ort des Geschehens und dem nach eigener Aussage bestorganisiertesten Lauf im Land. Mit dem einzigen Unterschied, dass mich die Veranstalter dieses Mal bei den Eliteläufern eingegliedert haben und mir somit die Elite Area vor dem Rennen zur Verfügung stand. Wie ich zu dieser Ehre kam, ist mir bis heute ein Rätsel, werde aber mit Sicherheit auch nicht nachfragen.

 

Um die Sache hier jetzt einfach mal abzukürzen: schon wieder nur eine Woche nach dem Berlin Marathon konnte ich meine in Berlin erreichte Zielzeit noch einmal bestätigen und zudem eine um 12 Sekunden unterbotene Bestzeit aufstellen. Nach 03:18:24 h durfte ich endlich wieder aufhören zu laufen und hatte mir den restlichen Abend die Couch unserer Unterkunft redlich verdient. Ende der Geschichte! Mir tut jetzt zwar alles weh, doch ich möchte von euch wie jeder andere Mensch behandelt werden. Kein Mitleid also.

 

Da St. George eine kleine, sehr überschaubare Stadt im Süden Utahs ist, die wir bereits zu genüge im Jahre 2014 durchgekaut haben, entschieden wir uns gleich am nächsten Morgen für die Weiterfahrt in Richtung Bryce Canyon. Denn eigentlich keimte genau vor zwei Jahren der Gedanke auf, eines Tages für eine Nationalpark-Tour in die Staaten zurückzukehren. Und hier waren wir also. Wir ganz alleine auf der Interstate 15, mit einem Tempolimit von 80 Meilen (wie großzügig) und nichts als dem Horizont vor uns. Und plötzlich dem Blaulicht hinter uns. Wo kam der denn her? Jetzt war wohl rechts ranfahren angesagt und Hände schön am Lenkrad lassen. Denn nur kurze Zeit später sah ich auch schon im Rückspiegel den Cop an unserem total harmlosen Mietwagen entlangschleichen und schon einmal von draußen das Innere des Wagens inspizieren. Nicht zu vergessen: eine Hand immer am Pistolenholster! Freundlich sieht aber anders aus. Da stellte sich heraus, dass ich statt der erlaubten 80 Meilen offensichtlich 86 Meilen gefahren bin. Also zu schnell. Als ich das hörte, setzte ich meinen besten Dackelblick auf, hauchte ein kurzes ‚Sorry‘ und war mit dem Thema durch. Er wollte zumindest noch meinen Führerschein und den Mietwagenvertrag auf Richtigkeit überprüfen, bevor er uns mit einer Verwarnung davonkommen ließ. Offensichtlich hatte ihn die Tatsache, dass wir deutsche Touristen waren, davon überzeugt, dass wir unter keinen Umständen schlimme Finger sein können. Um nicht zu hart mit ihm ins Gericht zu gehen, würde er von mir auf Yelp eine durchweg positive Bewertung erhalten. Sehr professionell gearbeitet und am Ende noch einen flotten Spruch auf den Lippen. ‚See you!‘ - Na, hoffentlich nicht. 

Da man Unterkünfte in der Nähe von National- oder State Parks zeitig genug im Voraus buchen sollte, um nicht schon wieder mit der nackten Hand im Wind zu stehen, befolgten auch wir unseren eigenen Rat und entschieden uns frühzeitig für eine Bleibe in Cannonville, nur dreißig Autominuten vom Canyon entfernt. Durch kurzfristige Recherche fanden wir allerdings heraus, dass genau in der anderen Richtung gelegen, einen Katzensprung entfernt, sich der Kodachrome Basin State Park befindet. Aufgrund der Farbenvielfalt, die einen dort erwartet, hat man den Park nach dem Diafilm von Kodak benannt - dem Kodachrome. Der Park ist einer der kleinsten State Parks, in dem man, wenn man nicht gerade auf die Idee kommt, hiken zu gehen, mit dem Auto inklusive aller Stops, in ein bis zwei Stunden sich wieder auf das nächste Abenteuer stürzen kann. Er ist so klein, da ist noch nicht einmal Platz für Beschwerden. Die wären hier aber sowieso nicht angebracht. Wir bahnten uns nämlich den Weg bis zum Eagle’s View Trail (weiter geht es auch nicht mehr) und waren begeistert über die bis zu 180 Millionen Jahre alten Gesteinsformationen, die ganz stumm für unsere Kamera Modell saßen. Statt Worten lasse ich deshalb, wie gehabt, lieber wieder ein kleines Potpourri aus Bildern sprechen.

Bevor ich unserem nächsten Aufenthalt ebenfalls die Bühne für Bilder überlasse, würde ich gerne noch ein paar Worte dazu verlieren. Heute Morgen in der Früh stand nämlich zeitig der Besuch des Bryce Canyon an und offensichtlich hatten wir mal wieder alles richtig gemacht. Denn die große Touristenschwemme prasselte über den Park erst ein, als wir bereits den nötigen Appetit für ein gediegenes Mittagessen im Restaurant der Bryce Canyon Lodge verspürten. Denn zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits mit dem Großteil der Besichtigung des Amphitheaters durch und hatten uns unser herausragendes Buffet durchaus verdient. Der Bryce Canyon, um mal wieder vom Essen wegzukommen, zeichnet sich vor allem durch die unzähligen, farbigen Hoodoos (Felspyramiden) aus, durch die ihm irgendwann das Recht zustand, ein Nationalpark zu werden. Für Wanderer bietet das Areal zudem Trails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen und Distanzen. Für mich als Laie, sowie immer noch gehandicapt vom Marathonlaufen am Wochenende, reichte heute vollkommen der Navajo Loop aus. Der Navajo Loop führt vom Sunset Point ungefähr 160 m in den Canyon hinab, bis man die Schlucht, die sogenannte Wall Street erreicht und von dort aus startet man dann den beschwerlichen Aufstieg zurück zum Ausgangspunkt. Man bahnt sich den Weg durch Gesteinsschluchten und schraubt sich langsam, aber sicher wieder den Weg nach oben, zum guten, alten Sunset Point, an dem, wenn alles gut läuft, die Reisebegleitungen noch im Auto warten und nicht abgehauen sind. Oben angekommen ist man insgesamt eine Schleife von 2,3 km gelaufen und kann sich glücklich schätzen, am Fuße des Canyon das ganze Wunder der Natur noch einmal von unten betrachtet zu haben. Zu meinem Glück war mein Anhang noch nicht getürmt oder auf die Idee gekommen, einen Suchtrupp loszuschicken, um nach mir Ausschau zu halten. Naja, ansonsten hätte ich eben weiter wandern müssen. Das wäre aber dann wohl ein langer Tag geworden.

Wenn man erst einmal die Shuttle Route nacheinander abgearbeitet hat, empfiehlt es sich in jedem Fall, mit dem Auto der Straße hoch bis auf den Rainbow Point zu folgen (weiter geht es auch nimmer) und auf dem Rückweg ganz bequem an weiteren imposanten Aussichtsplattformen halt zu machen. Sehr zu empfehlen wären hierbei der Ponderosa Canyon, an dem man bei ganz klarer Sicht wohl bis New Mexico blicken kann, sowie der Natural Bridge, ein Gesteinsbogen, das wahrscheinlich beliebteste Motiv im Canyon. Leider können wir gar nicht in Worte fassen, was wir heute atemberaubendes erlebt haben, doch wie von uns gewohnt, werden wir eine kleine Auswahl der heute entstandenen Aufnahmen für uns sprechen lassen. Bilder sagen schließlich mehr als tausend Worte.

 

Unsere Zeit in Utah ist jetzt leider schon wieder abgelaufen, denn morgen wird es uns nach Arizona verschlagen. Wie es uns dort ergehen wird und, vor allem, was wir dort erleben, werden wir mit Sicherheit wieder in einem neuen Teil unserer Klatschpresse verarbeiten. Doch bis dahin wird es noch ein langer, steiniger Weg. Den wir langsam anfangen sollten zu gehen. Tschüss!


Kodachrome Basin State Park


Bryce Canyon National Park

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