Heute: Walsonntag!

Sonntag, 22. April 2018

 

Jetzt befinden wir uns mittlerweile schon geschlagene zwei Wochen in diesem wunderbaren Land und ihr habt noch keinerlei schriftliche Aufzeichnungen zu unseren bisherigen Aktivitäten erhalten. Das tut uns natürlich sehr leid, aber wir sind einfach zu beschäftigt, und Abends zu gerädert, um noch den Bleistift zu spitzen und damit unseren Memoiren ein neues Kapitel hinzuzufügen.

 

Heute möchten wir es außerdem zur Abwechslung einmal etwas anders gestalten, indem wir nicht die gesamten letzten Tage Revue passieren lassen, sondern uns ein Leckerli herausfischen, von dem wir sicher sein werden, dass es Euch gefallen wird. Wir haben lange überlegt (stimmt eigentlich gar nicht) und sind zu dem Schluss gekommen, dass ihr jetzt soweit seid, in die Geheimnisse der Walbeobachtung eingeweiht zu werden. 

Der Nordatlantik, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018 und befinden uns an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika, genauer Provincetown, um Walen, Delfinen oder auch Robben Gesellschaft auf dem offenen Meer zu leisten. 

 

Bereits vor Wochen haben wir Ausschau nach Dingen gehalten, mit denen wir unserer Reise eine gewisse Einzigartigkeit verleihen können und sind auch prompt bei Dolphin Fleet fündig geworden, die Whale Watching auf dem Nordatlantik anbieten, wo sich das Who-is-Who der Buckelwale die Klinke in die Hand gibt, wenn es darum geht, sich die Wampe für den irgendwann wiederkehrenden Winter vollzuschlagen. So wurde uns das zumindest durch die einschlägige Literatur zur Reisevorbereitung verkauft. 

Provincetown schließlich befindet sich am äußersten Zipfel Cape Cods, einer Halbinsel im Südosten Massachusetts, und hat pünktlich zum Eintreffen zweier deutscher Touristen die Saison feierlich als eröffnet erklärt. Doch Saisoneröffnung heißt eigentlich nur, dass der Hund zwar immer noch begraben liegt, nur eben nicht mehr so tief. Der junge Mann, bei dem wir nächtigen durften, war erst seit drei Tagen wieder in der Stadt und die ortsansässigen Walfänger… ähm… beobachter hatten auch gerade erst das letzte Staubkorn aus der Winterpause von ihrem Kutter gefegt, um uns auf ihrer allerersten Fahrt des Jahres 2018 mit Glanz zu begegnen.

 

Weil wir Deutschen genetisch bedingt sehr auf Sicherheiten bedacht sind, haben wir natürlich schön vorsorglich unsere Tickets von zu Hause gebucht, um einem eventuell aufkommenden Andrang entgegenzuwirken und um am Ende mit süffisantem Lächeln und aufgefächerten Fahrscheinen in der Hand den Wartenden in der Schlange zuzuwinken. Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Keine Warteschlange, ergo, kein süffisantes Lächeln. Was für eine Blamage! Jetzt lag unsere ganze Hoffnung in den Walen. Die mussten es jetzt rausreißen. Wenn nicht die, wer dann? 

Die große Fahrt begann. Obwohl wir darauf hingewiesen wurden, dass die See an dem Tage etwas rauer sein könnte, verlief das Auslaufen aus dem Hafen wie aus dem Bilderbuch von Käpt’n Blaubär. Oder um hier mal die Sprache der Seemänner zu sprechen: da haben wir aber mal ordentlich Knoten gemacht. 

 

Emotional glich unsere Reise auf dem Nordatlantik aber mehr einer Achterbahnfahrt. Der Anfang war ganz witzig. Alles neu und am liebsten hätte man gerne alle Erlebnisse auf einem Bild festgehalten. Ging aber nicht. Bei Bedarf konnte man der Stimme vom Oberdeck lauschen, sozusagen der Walhelferin, die mit allerhand Daten und Fakten zu Walen, Haien, Delfinen oder auch Robben um die Ecke kam. Doch leider war am Ende ihres geballten Wissens immer noch zu viel Zeit übrig. Da kam auch schon die erste Langeweile auf. Denn es war immer noch kein Wal in Sicht. Außerdem zog es an Deck wie Hechtsuppe. Die erste Stunde unserer Tour war zudem bereits in den Tiefen des Atlantiks verschwunden. Jetzt müsse aber mal langsam etwas passieren, um einer erneuten Meuterei auf der Bounty zu entgehen. Da kamen auch schon die ersten erstaunten Seufzer aus der kleinen Menge an Deck und wir hatten mal wieder den ersten Wal in weiter Ferne verpasst. Konnten leider nur noch das etwas unruhige Wasser ausmachen, das der Meeresbewohner für uns zurückgelassen hatte. Doch Neptun schien uns von diesem Zeitpunkt an offensichtlich wohlgesinnt und sandte uns erst eine ganze Delphinfamilie, um uns zu begrüßen. Und im Schlepptau, des Delfins liebster Spielgenosse - der Buckelwal.

Plötzlich hatte man sogar Mühe, allen Geschehnissen auf dem Meer zu folgen. Mal tauchten sie auf 9 Uhr auf, ein anderes Mal auf 12 Uhr und ja, auch auf 15 Uhr waren sie zu finden. Dies hatte natürlich zur Folge, dass alle Mitfahrer an Bord immer wieder zu der Stelle sprinteten, an der zuletzt etwas gesichtet wurde. Auch wenn zu keiner Zeit irgendeine Gefahr bestand, stellte ich mir die Kuriosität vor, wie wir Schlagseite bekommen, kentern und die Wale daraufhin eine Tour zum Human Watching anbieten. Naja, ich fand es amüsant, aber vielleicht hätte man auch dabeisein müssen.

 

Statt Human Watching gab es allerdings, wie versprochen, Whale Watching. Und zwar par excellence. Unglaublich wie träge sie sich erst an der Wasseroberfläche bewegen und sich mit einem eleganten Flossenschlag wieder in die Tiefe verabschieden. Ich hoffe sehr, dass die wenigen Bilder, die ich geschossen habe, einen kleinen Einblick in unsere Erlebnisse mit der Dolphin Fleet gewähren. Am Ende unserer kurzen Reise hätten wir sogar noch viel länger dort draußen rumhängen können und den Walen beim Walsachenmachen zuschauen können. Faszinierende Tiere, die wir dort zu Gesicht bekommen haben. Am liebsten hätten wir einen der Darsteller mit nach Hause genommen, auch wenn sie nicht gerade irgendeinem Schönheitsideal entsprachen. Und vielen Dank an dieser Stelle an die Statisten der Szenerie, den Robben und Delphinen. Ihr kommt bestimmt auch eines Tages ganz groß raus. 

Auch wenn das Wetter nicht so mitspielte, wie wir uns das an diesem Tage gewünscht hätten, kam am Ende bestimmt jeder zahlende Gast voll auf seine Kosten. Wir hatten außerdem schöne, gar herausragende Bilder im Kasten und die Mission Provincetown war für das Erste erfüllt. 

 

Zu guter Letzt gilt unser Dank den Jungs und Mädels von Dolphin Fleet Whale Watching, die uns sicher hinaus und, noch besser, vollzählig wieder zurückbrachten. Solltet ihr einmal mit dem Gedanken spielen, nach Cape Cod zu fahren, können wir Euch garantieren, dass das Geld bestimmt nicht herausgeschmissen ist. Doch mit etwas Geduld solltet ihr schon an die Sache herangehen. Außerdem ist eine der frühen Fahrten der Saison klimatisch zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir möchten uns andererseits erst gar nicht vorstellen, wie überfüllt das Boot in der Hochsaison sein muss, wenn am Wochenende die Menschen aus der Stadt die kleine Halbinsel in Massachusetts bevölkern, um sich bei ihren wenigen Tagen Freizeit im Jahr etwas Idylle zu gönnen. Dann lieber mit schlotternden Knien an Deck einen Flachmann mit dem Capt’n teilen.

 

Mit diesen Worten verabschieden wir uns also und hoffen, dass es Euch gefallen hat. Wenn nicht, kann ich Euch sagen, besser wird’s nicht. Lasst die Hände dort, wo ich sie sehen kann und verbleibe mit dem einmaligen Flossenschlag des Buckelwals und ziehe mich jetzt wieder in die Tiefe zurück. Adios und Fiesta, Fiesta Mexikana!