Flagstaff für eine Nacht! (Freitag, 07. Oktober 2016)

 

Hallo, Freunde der Reiselust! Utah haben wir am Mittwoch endgültig hinter uns gelassen, obwohl die Begeisterung über eben diesen Staat riesengroß war. Denn es bot uns eine wirklich abwechslungsreiche Landschaft, nette Menschen (wenn man von den wenigen Rednecks absieht, die uns Fremde am liebsten in Dosen verpackt zum Verkauf angeboten hätten) und nahezu das ganze Jahr hindurch ein angenehmes Klima. Doch unsere Wanderlust führte uns dennoch trotz aller positiven Aspekte des Beehive States wieder zurück nach Arizona. 

 

Erstes Ziel im Grand Canyon State war die kleine Stadt Page, in dessen direkter Nachbarschaft das sogenannte Horseshoe Bend liegt, wo sich der Colorado River eindrucksvoll in Hufeisenform seinen Weg um die Klippen sucht. Der Weg dorthin ist zwar beschwerlich (1.5 Meilen Meilen Fußmarsch über Stock und Stein, bergauf und bergab), doch am Ende wird man mit einem eindrucksvollen Blick in die Schlucht hinunter für all die tapfer ertragenen Mühen entlohnt, sollte sich allerdings damit abfinden können, dass einem das Hufeisen nicht alleine gehört. Außerdem in der Stadt zu finden: der Antilope Canyon State Park, dem wir eigentlich noch einen freundlichen Besuch abstatten wollten. Jedoch läuft es erstens anders und zweitens, als man denkt. Bei der Ankunft vor unserer von langer Hand geplanten Unterkunft fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Wir hatten uns hier offenbar etwas verbucht, um das mal salopp zu sagen. Denn das Datum der Buchung stimmte mit dem in Echtzeit irgendwie nicht überein. Was für eine Katastrophe. Bei dem Telefonat mit Jake, dem die Bude wohl gehörte, stellte sich auch noch heraus, dass er keine freien Zimmer für diese eine Nacht mehr hatte und wir wohl draußen pennen müssten. Letzteres hat er zwar nicht so gesagt, hörte sich für mich aber so an. Zu allem Überfluss verpassten wir auch noch unsere kostenlose Stornierung um ganze zwölf Minuten. Wenn das mal kein miserables Timing war, dann weiß ich aber auch nicht. Entschieden uns am Ende, das hinsichtlich Übernachtungen wenig Glück bringende Page zu verlassen und in das 220 km entfernte Flagstaff aufzubrechen. ‚Flagstaff für eine Nacht‘ war also geboren. Mit dem Titel sind wir dann auch schon durch mit der Stadt und steigen gleich am nächsten Tag wieder ein. Dankeschön für euer Verständnis. Das weiß ich zu schätzen.

Denn nach Flagstaff kam Tusayan! Tusayan liegt am südlichen Eingang des Grand Canyon National Park und Übernachtungen müssen hier ebenfalls lange Zeit im Voraus gebucht werden, da der GCNP (die verkaufen Aufkleber, auf dem sie den Park genau so abkürzen, also schaut mich nicht so an) touristisch voll erschlossen ist und die Unterkünfte (so schlecht sie auch sein mögen) weggehen wie warme Semmeln oder frisch gespitzte Tomahawks! Dafür hat man jedoch den Luxus, nach wenigen Kilometern in den Park einzufahren und keine lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen zu müssen. Selbst Flagstaff (das sich jedoch nur für eine Nacht lohnt) wirbt damit, nahe am Grand Canyon zu liegen. In Wahrheit legt man bis zur Einfahrt in selbigen noch knapp hundert Kilometer zurück. Holzauge sei also wachsam! Bei Fragen, wenn es denn soweit ist, stehen wir euch natürlich mit Rat und Tat zur Seite. Irgendwie müssen wir ja unsere verlorene Nacht in Page wieder reinkriegen. Bis dahin erzählen wir ein bißchen über den Grand Canyon.

 

Der Grand Canyon, unendliche Weiten… Bereits unser zweiter Besuch und obwohl gefühlt weniger unternommen, haben wir das Erlebnis intensiver wahr genommen. Gleich am Nachmittag (weil unser Zimmer erst ab 16 Uhr zum Beziehen bereitstand - höchstwahrscheinlich mussten sie noch den schlechten Internetzugang organisieren) fuhren wir bis an den Rande des südlichen Canyon, den man ohne Probleme mit dem Auto befahren kann, dem sogenannten Desert View und arbeiteten uns die kompletten 22 Meilen zurück bis zum erwarteten Sonnenuntergang. Dieser hat sich aber auch so gar nicht lumpen lassen und bei dieser plötzlich aufgekommenen Stille hätte man in dem Moment sogar eine Stecknadel fallen hören. Es ist mir außerdem, so denke ich, einigermaßen gelungen diesen ‚romantic view‘ für die Ewigkeit festzuhalten und präsentiere aus gegebenem Anlass meine kleine Bilderserie ‚Wenn am Canyon die rote Sonne im Fels versinkt‘. Zum Abschluss des Tages ging es in ‚Sophies Kitchen‘ zum mexikanischen Abendmahl bei Burrito und Chimichanga, um den Grundstein für den nächsten Morgen zu legen.

Pünktlich um sieben Uhr Morgens brachte uns der kostenlose Nationalpark-Shuttle zum äußersten und eigentlich spannendsten Punkt, nämlich dem Hermits Rest. Von dort führt ein gut asphaltierter Weg auf Wunsch den ganzen Weg zurück zum Ausgangspunkt. Zu Fuß, versteht sich. Dabei hatten wir nämlich neben dem schönsten Ausblick in den Canyon das große Glück, eine echte Canyon Vogelspinne unseren Weg kreuzen zu sehen. Ein faszinierender Anblick für uns Großstädter und schon die alten Navajos stellten fest: Kreuzt eine Spinne euren Pfad soweit, habt ihr Glück für alle Zeit! Sollten sie das genau so vielleicht nicht gesagt haben, wäre es aber bestimmt nach ihrem Geschmack gewesen.

 

Unser Pfad jedenfalls führte uns völlig menschenleer weiter voran und zum Dank hierfür zeigten sich uns ganze Gruppen an ‚mule deers‘, die sich absolut unbeeindruckt von unserem Erscheinen, weiterhin ihrem Mittagsschlaf, ihrem Lunch oder sich ihrer etwas unappetitlichen Reinigungsprozedur hingaben. Wir kamen in Frieden und wir gingen in Frieden. 

Nach dem Besuch des wunderschönen Bryce Canyon, der hinsichtlich Farbe kaum zu überbieten ist, wirkte der erneute Besuch des Grand Canyon eher blass. Man sollte diesen aber in jedem Falle einmal im Leben gesehen haben, denn diese Gigantomanie ist leider nicht in Worten zu beschreiben. Ein kleiner Tipp: Besonders lohnenswert ist der Besuch gleich früh Morgens (ab fünf Uhr nimmt der erste Shuttle bereits seine Fahrt auf), da ab der Mittagszeit die Wahrscheinlichkeit schwindet, die Schluchten für sich alleine zu haben. Wenn der große Ansturm nämlich dann den Park erreicht, könnt ihr Euch glücklich schätzen, den Nachmittag anderweitig außerhalb des Canyon verbringen zu können. Vielleicht bei einem kleinen Mittagsschläfchen oder im hauseigenen Pool. Das ist jedem selbst überlassen. Wir haben uns am Ende für beides entschieden. Zur allgemeinen Freude fügen wir diesem Bericht unsere Bilderserie 'Grand Canyon 2016' ein, damit ich mich nicht um Kopf und Kragen schreiben muss.

 

Jetzt tippe ich hier die letzten Zeilen unseres Berichtes auf dem Wege nach Los Angeles; die Staatsgrenze schon lange hinter uns gelassen, und freuen uns schon auf Sommer, Sonne, Sonnenschein. Ob man auch in der Stadt der Engel in Teufelsküche kommen oder was man mit Botox noch so anstellen kann, erfahrt ihr wie immer hier, in unserem Revier! Macht es gut, haltet die Ohren steif! Wir lesen uns aus Hollywood. 


Grand Canyon National Park

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