Entschuldigen Sie,… (Mittwoch, 06. Dezember 2017)

 

… ist das der Sonderflug nach Bangkok?

Ich muss mal eben dort hin, mal eben nach Südostasien.

 

Die Entscheidung, über Hongkong nach Thailand zu reisen, war keine Entscheidung, die über Nacht gefällt wurde. Wir haben uns sehr lange Gedanken darüber gemacht, wie die Reise nach dem Marathon in Shanghai weitergehen soll. Wir haben ganze Tage in Zügen verbracht, um von A nach B zu kommen, und von dort aus wiederum Richtung C aufzubrechen. Wir bewegten uns zu Beginn unserer Reise ins Landesinnere, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass kein Weg daran vorbeiführt, Mitte November eben den bereits erwähnten Shanghai Marathon zu bewältigen. Doch was sollte danach kommen? Wieder ins Landesinnere pilgern, auch auf die Gefahr hin, dass wir uns die Strapazen einer tagelangen Bus- oder Zugreise auferlegen? Das konnte unmöglich unser Ziel sein. Bei all den wunderschönen Momenten, die wir in China erleben durften, hat uns das Land nämlich wirklich geschafft und uns an die Grenzen unserer Planungssicherheit gebracht. Und das wie kein anderes Land zuvor. Ein Plan B musste her. 

Bei der schwierigen chinesischen Versorgung mit dem World Wide Web hatten wir auf mehreren Kanälen damit zu kämpfen, den für uns passenden Flug endlich Dingfest zu machen. Als ob man uns partout nicht aus dem Land lassen wollte, machte ausgerechnet, als es um die Bezahlung ging, die Internetleitung die Grätsche. Da hatten wir also den Schlamassel. Flug gebucht, doch ohne Bezahlung keinen Boarding Pass. Am Rande der Verzweiflung ein Anruf bei den Servicemädels von Cathay Pacific. Sachverhalt erklärt und am Ende zu gleichen Konditionen eben am Telefonhörer alles Notwendige eingetütet, um nur wenige Tage danach über den Wolken, der Metropole und Sonderverwaltungszone Hongkong entgegenzuschweben. Von dort standen uns schließlich Tür und Tor in die restliche asiatische Welt offen. Zurück konnten wir ohnehin nicht mehr, da uns unser Visum leider nicht zur Wiedereinreise legitimierte. 

So fiel unsere Wahl also auf die thailändische Hauptstadt Bangkok. Und hat uns mal wieder nicht enttäuscht. Der Hinflug unserer Wahl mit Thai Airways war sehr angenehm, gar kurzweilig gestaltet und ließ kaum Wünsche offen. Die Stadt selbst ist genau so, wie wir sie das letzte Mal zurückgelassen haben, das Wetter wie immer muckelig temperiert und über das leckere Essen müssen wir hier wohl keine einzige Silbe mehr verlieren. Wie jedes sind wir auch dieses Mal im Herzen Bangkoks untergebracht, weit genug weg vom wilden Treiben der Khao San Road und doch nah genug, um uns von jetzt auf gleich ins Getümmel der Großstadt zu stürzen. Für alles weitere gibt es Tuk-Tuks, die nun einmal zu Bangkok gehören wie die vielen, vielen Garküchen, die ausgeprägte Backpacker-Szene und der liegende Buddha, um hier nur einige zu nennen. Wenn es eine zweite Heimat für uns geben sollte, dann doch Bitteschön hier. Hier wissen wir, wo der Hund begraben liegt (und das ist nicht nur dahingesagt), besteigen wie alte Hasen das Wassertaxi, um auf die andere Flussseite überzusetzen und können den harten Verkaufsverhandlungen, die hier auf der Straße betrieben werden, Paroli bieten. Denn auch andere Stände haben schöne Waren. Alles kann, nichts muss. (Hört sich vielleicht etwas schmutzig an, ist aber so.)

Mit Bangkok ist es wie mit New York City. Entweder man liebt es oder man hasst es. Unsere Liebe zu der Stadt rührt daher, dass die Stadt zwar wie jede andere wächst und wächst, aber immer noch den Charme versprüht, den wir bei unserem ersten Besuch im Jahre 2013 gespürt haben. Auch hier gibt es zwar immer wieder Bewegungen von Investoren, die Stadt umzuplanen, doch bisher glücklicherweise ohne nennenswertes Ergebnis.

 

Zudem haben wir uns nun wohl als große Fans des im letzten Jahr verstorbenen Königs Bhumibol entpuppt. Wahrscheinlich ist die Ursache darin zu finden, dass wir die Ehre hatten - oder einfach nur Glück bei der Reiseplanung - an seiner letzten, seiner 88. Geburtstagsause vor dem ‚Grand Palace’ teilzunehmen. Es freut uns sehr, dass die Verehrung auch über den Tod hinaus noch von so großer Bedeutung zu sein scheint. Somit standen unsere Tage in Bangkok ganz klar unter dem Bhumibol-Stern mit Feierlichkeiten im Wat Bowonniwet, in dem der König fünfzehn Tage als Mönch verbracht hat. Es ist für Thailänder übrigens nicht unüblich, sich für wenige Wochen in die Kurzzeitmönchskutte zu werfen, um dadurch ein höheres Ansehen zu erlangen und als Vollkommen von der thailändischen Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Danach warten dann Heirat, Kinder und, je nach Stammbaum, der Königsstuhl auf einen.

Through the lens of His Majesty

 

Wenn man wissen möchte, wie der König die Welt sah, sollte man sich die Ausstellung izu Ehren des verstorbenen Königs im Kunst- und Kulturzentrum auf keinen Fall entgehen lassen. Dort ausgestellt sind nämlich Fotografien von den 50ern bis in die 2000er, aufgenommen vom Herrn König höchstpersönlich. Einen überwiegenden Teil der Sammlung nehmen Fotografien der Familie ein - inklusive dem Sohnemann, der nach dem Ableben seines Vaters nach einigen Diskussionen um seine Person endgültig auf den Thron gehievt wurde. Das Volk kommt ebenfalls nicht zu kurz und dass Seine Majestät einen Lieblingshund hatte, ist seit dem Besuch nun auch glasklar. Das Gebäude, das die Ausstellung beherbergt, erinnert sehr stark an das New Yorker Guggenheim mit einem Wendelgang, der einen Stockwerk für Stockwerk nach oben führt. Wer am Ende nach so viel königlicher Inspiration noch Zeit und Lust hat, kann sich wenige Etagen tiefer, etwas neumodischer, die Installationen zu Gemüte führen, für die die Künstler (mit dem König weder verwandt noch verschwägert) offenbar wirklich alle Kosten und Mühen gescheut haben. Wir hätten unser Geld zurückverlangt, wenn es nicht umsonst gewesen wäre. Doch leider lässt sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten. Obwohl wir in der allerbesten Laune dazu gewesen wären. Vielleicht das nächste Mal.

So sehr wir Freunde dieser Stadt sind, lag es uns von Anfang an fern, für ganze zwei Wochen hier zu verweilen. Der Weg musste einfach weitergehen. Es war uns nach Erholung. Nach Seele und Beine baumeln lassen. Aus Erfahrung wussten wir, dass die in der Andamanensee gelegene Insel Koh Phayam wie geschaffen hierfür ist. Klein, aber fein. Autoverkehr sucht man vergebens. Wenn man sich fortbewegen möchte, mietet man sich entweder einen Motorroller oder steigt auf’s Fahrrad. Ganz hartgesottene gehen aber auch gerne zu Fuß. Wir haben uns dann doch lieber für die erste Variante entschieden. Alles andere wäre uns eindeutig zu viel des Guten gewesen. 

Wir brauchten zwar ein paar Tage, um gänzlich abzuschalten, dann waren wir aber auch richtig angekommen in unserem kleinen Inselleben. Wir verlängerten auf insgesamt neun Nächte unsere Unterkunft in der Buffalo Bay, planschten im Wasser, wenn wir Lust dazu hatten, ließen uns bei der täglichen Ölmassage kostenpflichtig quälen und lebten ein Leben, wie uns der Reisezinken gewachsen war. Wenn uns der kleine Hunger überkam, hatten wir nur kurze Zeit später unsere liebsten Inselbekanntschaften zusammen, die uns mit dem besten Essen versorgt haben. Wir durften unseren kochenden Herbergsdamen über die Schulter schauen, um herauszufinden, was das Geheimnis einer guten Nudelsuppe ist. Reissuppe ist für uns ebenfalls kein Fremdwort mehr und Garnelen mit Limonen-Chili-Sauce wird ab sofort auf unseren wöchentlichen Speiseplan wandern. 

 

Alles in allem verlief unser Leben auf der Insel in sehr ruhigen Bahnen. Wir kamen sehr selten über unseren Ruhepuls hinaus und machten nur das, worauf wir Lust hatten. Denn die letzten Wochen waren anstrengend genug für uns beide und haben uns durch diese Auszeit einfach genommen, was wir brauchten oder uns zustand. Ende der Geschichte.

Leider sitzen wir hier gerade schon wieder auf unseren gepackten Rucksäcken in unserer formidablen Unterkunft in dem Bangkoker Stadtteil Banglampoo und müssen morgen Mittag bereits unsere Rückreise nach Deutschland antreten, doch nicht ohne Zwischenstopp in Hongkong und Zürich.

 

Wir bedanken uns recht herzlich für Euer reges Interesse an unseren Geschichten, die die Welt bedeuten. Empfehlt uns weiter, so auch wir werden Euch weiterempfehlen. Doch es besteht noch lange kein Grund zum Trauer tragen, denn in wenigen Monaten werden wir wieder unterwegs sein. Nur dann wieder auf einem echten Roadtrip. Ich sage nur Cowboy und Cowgirl. Oder Cowboy und Indianer? Egal, wir werden wiederkommen. Das ist gewiss. Haltet die Ohren steif. Wir sind gleich da. Auf Wiedersehen.  

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