Dra Chanasen mat dam Kantrabass!

(Montag, 30. Oktober 2017)

 

Hallo Freunde. Nun melden wir uns nun endlich zurück aus dem Reich der Mitte - China! Oder wie der Mann von Welt sagen würde: Kina! Wir haben es endlich geschafft und sind nach einer überraschend friedlichen Anreise und so ganz ohne Turbulenzen in der Hauptstadt Peking gelandet. Das erste Mal China. Spannend und zermürbend zugleich. Erst diese Enttäuschung, als sich herausstellte, dass sie weder in Dreiergruppen auftreten, noch Kontrabass spielen (wie wird man als Kind nur verschaukelt) und dann scheint das auch noch eine der wenigen Metropolen der Welt zu sein, die es sich offensichtlich leisten können, auf ein eigenes Chinatown zu verzichten. Die größte Hürde allerdings stellt das sprachliche Defizit der Chinesen dar, das sich einem bietet, wenn man in englischer Sprache eine Konversation anstrebt. Wenigstens besitzen sie die Höflichkeit, einen in eine falsche Richtung zu schicken, als uns reinen Wein einzuschenken. Den Einstieg in dieses Land, zudem als Individualtourist, hatten wir uns deutlich einfacher vorgestellt. Doch nun sind wir hier und beide Seiten sollten nehmen, was sie bekommen.

 

Ganz oben auf der Liste, wenn man eine Reise nach Peking plant, steht natürlich die Verbotene Stadt. Das versteht sich wohl von alleine. Dieser wollten wir auch gleich am ersten Morgen die Chance geben, uns aus den roten Socken zu hauen. Ob die Aktion von Erfolg gekrönt war, werdet ihr mit etwas Glück im Laufe dieses vorliegenden Textes erfahren. Bevor wir aber gleich voll einsteigen, der kurze Hinweis, dass man hier offensichtlich immer und überall damit leben muss, den ständigen Sicherheitskontrollen inklusive Durchleuchten des Tagesrucksacks, ausgeliefert zu sein. Nach Beendigung unserer Reise werden wir und unser Gepäck höchstwahrscheinlich in sattem Grün leuchten. Ich habe da so ein Gefühl. Bedenken, ob einen Probleme erwarten könnten, muss man bei den scheinbar minderjährigen Beamten eher nicht haben, denn manchmal piept es, manchmal wiederum nicht, manchmal inspiziert der Beamte mit einem vermeintlichen Adlerauge das Innere des von Röntgenstrahlen durchleuchteten Gepäcks auf dem Bildschirm und manchmal ist man einfach zu müde, um vor dem Monitor sitzend ständig die Augen offen zu halten. Solch eine Prozedur muss man mehrmals täglich in Kauf nehmen, sobald man nur in die Nähe einer Sehenswürdigkeit kommt oder eine Station mit der Bahn fahren möchte. An sich eigentlich eine gute Sache, wenn es denn mit einer gewissen Ernsthaftigkeit durchgeführt werden würde. Doch wir sind ja schließlich zu Gast hier und würden es nie wagen, uns über landestypische Gepflogenheiten zu beschweren.

 

Aber jetzt mal wirklich zurück zur Verbotenen Stadt, über die wir ja eigentlich schon zu Beginn des Berichtes schreiben wollten. Was wir auf unseren Reisen immer besonders toll und aufregend finden, ist der Moment, vor etwas zu stehen, das man bis dato immer nur aus Büchern, Magazinen oder eben Filmen zu kennen glaubte. Die Faszination war nur dadurch getrübt, dass wir einem völligen Jetlag erlegen sind und es uns tagsüber wie dem Jungen vor dem X-Ray Monitor erging. Dann, wie bereits erwähnt, kam noch die zermürbende Tatsache hinzu, dass es nicht allzu viele englischsprechende Chinesen zu geben scheint, die einem bei einer simplen Frage weiterhelfen könnten. Wenn man damit umzugehen weiß, erleichtert dies einem das Reiseleben ungemein. Einfach keine dusseligen Fragen mehr stellen, dann geht das schon in Ordnung. 

 

Wenn man also nach Sicherheitskontrolle und fehlender Konversation erst einmal durch das Tor des himmlischen Friedens, von dem Maos Konterfei herabblickt, hindurchgegangen ist, geht es in erster Linie darum, die Übersicht zu behalten, um auf gar keinen Fall das Kassenhäuschen zu verpassen, an dem man sich zusätzlich zum Ticket noch mit einem deutschsprachigen Audioguide ausstatten sollte. Man hat zwar als zweite Option noch die Möglichkeit, einen persönlichen Führer in Fleisch und Blut zu bekommen, doch vertrauensvoller ist es, auf die elektronische Variante zu setzen - und kostengünstiger noch dazu. Ganz pfiffig erkennt dieses Ding sogar die Position, an der man sich gerade befindet, sodass man die Besichtigung ganz im eigenen Tempo vornehmen kann, ohne bereits mit der Geschichte zum nächsten Gebäude vollgequatscht zu werden. Simpel und idiotensicher kann man sich vorerst am Mittelweg orientieren und passiert dabei die drei großen Hallen, die Halle der Höchsten Harmonie, die Halle der Harmonie der Mitte sowie der Halle der Harmoniewahrung. Offensichtlich ein sehr harmoniebedürftiges Völkchen, diese Chinesen. Wenn man gleich im Anschluss von dem Mittelgang nach rechts abbiegt, hat man die Möglichkeit, die faszinierende Uhrenaustellung sowie die Neun-Drachen-Mauer zu besichtigen, ohne dessen Anblick man nicht nach Hause fahren sollte. Danach sollte man aber auch schon wieder den Weg zurück finden, um durch die Thron- und Empfangshalle der Kaiserin und dem Palast der Irdisch-Weiblichen Ruhe schließlich in den Kaiserlichen Garten zu gelangen. Klingt vielleicht zwar etwas zügig, aber dann hat man auch schon bald das Nordtor erreicht, an dem man nun noch einmal die Möglichkeit hat, den nördlichen Teil der Stadtmauer zu besteigen und, jetzt haltet Euch fest, bis Januar oder Februar noch eine Sissi-Ausstellung beheimatet. Nur konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob die Ausstellungsstücke überhaupt irgendetwas mit der Kaiserin zu tun hatten oder es ihr einfach hätte gehören können. Ein Exponat hinterließ sogar den Eindruck, dass auf dem langen Weg nach China die Kühlkette unterbrochen wurde, denn man konnte einfach nicht mehr erkennen, was oder wer da einmal in Glas eingefasst wurde. Vielleicht war das aber auch besser so.

Vielleicht lag es an der Stimmung nach einem langen Flug von Deutschland nach China, aber insgeheim hat man sich diese Top 1 Sehenswürdigkeit um einiges spektakulärer vorgestellt. Beeindruckend ist sicher die schiere Größe der Anlage, die sich einem bietet, sowie des Prinzips von Yin und Yang, das einem eine gewisse Zufriedenheit und Klarheit über diese chinesische Architektur vermittelt. (Bevor Fragen darüber aufkommen: habe ich alles gelesen, nachgeschlagen und kann ich voller Überzeugung nun so wiedergeben). Der Ausflug in die Verbotene Stadt kann gut und gerne den gesamten Tag ausfüllen, weshalb man sich nicht mehr allzuviel für danach vornehmen sollte. Wir für unseren Teil hatten uns schließlich dafür entschieden, unsere knurrenden Mägen zu stillen. Beliebter touristischer und einheimischer Treffpunkt zugleich, scheint dort die Wangfujing Straße zu sein, in der man seinen Gaumen nach alter Garküchen-Tradition und Herzenslust verwöhnen lassen kann. Inklusive dem allseits beliebten Snack von Raupen und Skorpionen. Allerdings finden selbst wir es sehr befremdlich, kleine, nicht ausgewachsene Skorpione lebend aufgespießt, den Besuchern vor dem Frittieren zur Schau zu stellen. Schwuppdiwupp, da war also zum ersten Mal unser Appetit passé. Nachdem wir uns dann für etwas entschieden haben, das zumindest lecker aussah, war der Appetit ein zweites Mal wie weggeblasen. Denn überall verteilt standen bis zur Oberkante mit Fleischresten gefüllte Mülleimer herum, die ein Aroma absonderten, das ich hier einfach nicht näher beschreiben kann, ohne erneut einen gewissen Würgereiz zu unterdrücken. Jedenfalls war es das für den restlichen Abend mit der Nahrungsaufnahme, obwohl wir eigentlich gar nicht so zimperlich sind, was das anbelangt. Doch so langsam scheint wirklich etwas dran zu sein, dass Chinesen wahrscheinlich alles essen, was vier Beine hat, außer eben einem Tisch. Und selbst da sind wir uns seitdem auch nicht mehr so sicher.

 

Jetzt aber mal was anderes: Wie die etwas Sportbegeisterten unter Euch bestimmt wissen, fanden im Jahre 2008 die olympischen Spiele in Peking statt. Da ist es natürlich naheliegend, die U-Bahn zum Olympiagelände zu nehmen und der Besichtigung des Stadions, dem sogenannten Bird’s Nest oder eben Vogelnest, beizuwohnen. Die Stadiontour findet allerdings komplett selbstorganisiert statt. Man muss sich einfach ein Ticket kaufen und darauf hoffen, dass die Mitarbeiter einen in die richtige Richtung jagen. So oft werden wir wahrscheinlich hier nicht mehr vorbeikommen, weshalb wir uns gleich für das VIP-Ticket entschieden, mit der man nicht nur im Stadion vollen Bewegungsfreiraum genießt, sondern als absolutes Highlight mit dem Fahrstuhl in die sechste Etage gefahren wird und von dort einen ausgiebigen Spaziergang über das Dach absolviert. Mit atemberaubenden Blick über Pekings Olympiagelände und ins eigentliche Stadion hinein. Gleich gegenüber des Stadions liegt auch gleich noch der Water Cube als zweite große Attraktion, den man sich zwar ebenfalls von innen ansehen kann, wir uns aber aus zeitlichen Gründen dagegen entschieden haben. Bilder sagen da mehr als tausend Worte. Außerdem hätte nichts auch nur ansatzweise unseren Ausflug auf’s Dach toppen können. Da haben sie uns aber mal wieder mit ihrem Amüsement-Programm eiskalt erwischt. Weiter so.

 

Eigentlich hatte ich den Gedanken, gleich weiter zu schreiben, denn wir haben ja noch so viel mehr erlebt. Habe mich aber nach reiflicher Überlegung und weil es schon so spät hier ist, anders entschieden und werde stattdessen noch einen zweiten Teil veröffentlichen. Tragt keine Trauer, denn wir kommen wieder. Dessen könnt ihr Euch gewiss sein. Haltet die Stellung, wo auch immer ihr gerade seid. Over and out.