Don Papillon und der bucklige Elvis!

(Freitag, 30. September 2016)

 

Herzlich willkommen zurück. Lange waren wir Reiseabstinent; mussten darben, bis es am Montag schließlich so weit war und wir den Flieger besteigen durften, der uns letztendlich nach Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien gebracht hat. 

 

Weil auch wir aus Fehlern lernen, haben wir uns vorab für einen 11-stündigen Direktflug ab Frankfurt/Main entschieden. Auch wenn sich die elf Stunden nicht nur irrsinnig lange anhören, sondern zweifelsohne auch sind, entsteigt man dem Flugzeug zwar mit ein wenig Schlaf in den Augen, doch beinahe erholt. Die Zollbeamten haben uns ebenfalls keinen Stunk gemacht, uns freundlicherweise ohne besonderen Vorkommnisse passieren und ihre Fragereien sein lassen. Könnte auch daran gelegen haben, dass der Beamte lange Jahre in Deutschland stationiert war und in Zehlendorf wohnte. Wie klein die Welt auch manchmal ist. Er kannte Friedrichshain, wir Zehlendorf. Die Welt war in Ordnung und wir ein weiteres Mal eingereist in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

 

Jetzt galt es nur noch, mit unserem Gepäck bewaffnet, zu Mr. Alamo aufzubrechen (weil auch wir hier Gleichberechtigung groß schreiben, kann das Mr. auch jederzeit durch ein Mrs. ersetzt werden) und uns ein unserer Fahrzeugklasse entsprechendes Auto aus der Garage holen, um dem Moloch Los Angeles vorerst zu entfliehen und unser Glück in der Stadt der Sünde zu versuchen. Las Vegas, here we come!

 

Womit aber auch niemand rechnen konnte, war die Tatsache, dass Las Vegas gerade hoch im Kurs steht und die Zimmer dadurch extrem gut ausgebucht sind. Also entschieden wir uns für einen zweigeteilten Aufenthalt mit zwei Nächten im 4 Queens direkt an der Fremont Street, um im Anschluss für weitere zwei Nächte auf den Strip auf unsere ganz persönliche Schatzinsel zu ziehen, dem Treasure Island!

 

Als wir im Jahre 2014 in Las Vegas waren, konnten wir mit dieser Stadt nicht so recht etwas anfangen. Die Stadt blieb uns die letzten beiden Jahre etwas schuldig, doch wir waren Profis genug, in Frieden wiederzukommen, um sie einfach etwas besser kennenzulernen. Darf ich vorstellen? Traveling Mac - Las Vegas! Las Vegas - Traveling Mac! So, das wäre also erledigt. Dann können wir ja endlich mit dem Vorgeplänkel aufhören und gleich zu unserem eigentlich Thema des Abends switchen. Vorhang auf für ‚Don Papillon und der bucklige Elvis‘! Anmerkung des Verfassers: Wegen Überlänge werden wir nach der Hälfte eine kurze Popcorn-Pause einlegen.

Jede Reise beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Und diesen macht man meist Monate im Voraus. Man zermartert sich das Hirn, was man wo zu welcher Zeit sehen und erleben möchte. Aus der Erfahrung heraus, dass man gewisse Aktivitäten einige Zeit vor der eigentlichen Reise buchen muss, fiel sehr zeitig die Entscheidung, einmal mit dem Helikopter in den Westteil des Grand Canyon zu fliegen, mit einem versprochenen halbstündigen Aufenthalt am Fuße des selbigen am Colorado River. Hierbei gilt wie überall: Frühes Erscheinen sichert gute Plätze. Bei der Fülle an Veranstaltern, die solche Ausflüge anbieten, können wir nun ruhigen Gewissens ‚Grand Canyon Papillons Helicopters‘ (oder für Freunde Don Papillon) als die Empfehlung des Tages aussprechen. Denn zum einen ist das Personal durchweg freundlich gesinnt, die Helikopter machen einen ordentlich gepflegten Eindruck und die Piloten wirken so, als ob sie wüssten, was sie da machen und wofür die ganzen Knöpfe im Cockpit wirklich da sind. Außerdem hat sich dieses Unternehmen offensichtlich den schönsten Platz dort unten im Canyon gesichert. Meine Panoramaaufnahme von dort unten wäre Beweis genug. 

 

Der Flughafen liegt in etwa 45 Minuten (je nach Verkehrslage) von Las Vegas entfernt in Boulder City, zu dem man zu früher Morgenstund’ mit dem Don-Papillon-Spaßmobil (eigentlich ist es ein ganz normaler Shuttlebus, aber ich kann hier doch mal etwas dicker auftragen oder etwa nicht?) aufbricht und nach der nötigen Check-In-Prozedur sowie der Notwendigkeit, dem Sicherheitsvideo beizuwohnen, den gebuchten Hubschrauber besteigt und man die nächsten 1 1/2 Stunden Arizona aus einem ganz neuen Blickwinkel erleben wird.

 

Wie bereits erwähnt, startet man in Boulder City am Municipal Airport und überfliegt nur kurze Zeit später den Hoover Staudamm mit dem Lake Mead, an den Black Mountains vorbei, um nach ungefähr dreißig Minuten noch einmal an Höhe zu gewinnen, da langsam aber sicher der westliche Teil des Grand Canyon auf einen wartet. Voller Spannung erwartet man nun die Ankunft unten am Colorado River, der uns ja schließlich hoch und heilig versprochen wurde. Nach erfolgter Landung durften wir endlich auch in aller Seelenruhe Fotos von dort unten für unser persönliches Fotoalbum schießen, um im Anschluss daran einen kleinen Snack (sie haben es uns als Champagner-Frühstück verkauft) kredenzt zu bekommen. Aufgeteilt ist der ganze Ausflug in Hinflug von dreißig Minuten, dem Aufenthalt im Canyon entspricht ebenfalls dreißig Minuten und dem Rückflug von, ratet mal, dreißig Minuten. Über Kosten der ganzen Veranstaltung schweigen wir uns selbstverständlich aus, doch hat sich dieser Ausflug für uns in jedem Falle gelohnt. Denn der Blick von oben, von der passenden Musik begleitet, die aus den Kopfhörer plärrt, ist großartig und für uns einmalig gewesen. Unseren ersten Helikopterflug haben wir also auch unbeschadet überstanden und werden im unteren Teil eine kleine Fotogalerie einfügen, um euch zumindest ein klein wenig zu zeigen, was wir meinen. Den Morgen optimal ausgenutzt waren wir bereits gegen zehn Uhr zurück im Hotel. Denn es sollte heute noch ein ganz besonderer Termin auf uns warten, für den wir uns noch etwas schick machen mussten. Doch bevor wir damit starten, leite ich dann doch mal kurz die Popcorn-Pause ein.

Wenn es eine Sache gibt, die man in Las Vegas nicht verpassen sollte, dann ist das die Möglichkeit, sich das Eheversprechen, das man sich einst gegeben hat, hier in einer der unzähligen Kapellen erneuern zu lassen. Den Tag vor dem renewal begaben wir uns kurz auf die Suche nach einer Kapelle, die unseren Ansprüchen gerecht wurde. Bloß nicht zu pompös, eher etwas Understatement und Elvis Presley soll auch noch zugegen sein, um uns unser Versprechen abnehmen. Wenn man das alles noch dazu in einen Billigheimer-Preis gepackt bekommt, wäre der schönste Tag des Lebens gerettet.

 

Ganz professionell wurden vor der Erneuerung des Eheversprechens Braut und Bräutigam räumlich getrennt, aus welchen Gründen auch immer. Wir waren doch eigentlich schon verheiratet. Beinahe umgekommen vor Langeweile nutzte ich allerdings die Gunst der Stunde und hielt die Kapelle, die geschmückt war wie ein 90er-Jahre Partykeller, für immer und ewig fotografisch fest. Wo diese Innenarchitekten auch immer diese Ideen herhaben. Unglaublich. Die Sitzreihen waren mit pinken Plüschwürfeln geschmückt, die Wand spielerisch mit Schallplatten verziert und das Podest war am Fuße eindrucksvoll mit langsam in die Jahre gekommener Glitzerfolie beklebt, die den Tasten eines Klaviers nachempfunden wurden. Wenn man selbst nach der Trauung in diesen Räumen noch miteinander spricht, muss das einfach für die Ewigkeit sein.

Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann endlich soweit. Elvis Presley (leider nicht der bucklige alte Elvis aus dem Werbevideo, das man uns vorher zeigte) führte Annett mit dem Song ‚Can’t help falling in love‘ zum Glitzerpodest und zu mir. Wir hatten uns vorher dazu entschieden, dass der King doch bitte einfach die Zeremonie im Ganzen übernehmen solle. Also haben wir brav seinen Worten gelauscht und wiederholt, die unser Eheversprechen noch einmal erneuerten, tauschten ein weiteres Mal unsere Ringe miteinander und besiegelten die ganze Veranstaltung mit einem Kuss. Elvis hielt, sofern das in irgendeiner Art möglich war, noch kurz für ein paar Fotos still und hatte bald darauf schon wieder das Gebäude verlassen. Und wenn sie nicht geschieden sind, dann lieben sie sich noch heute! Viva Las Vegas, baby!

 

Mittlerweile finden wir Las Vegas zwar immer noch etwas strange, aber eine Stadt, die ihren Reiz hat, wenn man weiß, wie man sie zu nehmen hat. Es ist auch nicht nötig, vom Strip (dem Las Vegas Blvd) abzuweichen, da nämlich alles andere an Schäbigkeit kaum zu überbieten ist. Lasst euch das gesagt sein. Ihr solltet einfach die Warnung ernst nehmen und nicht auf die dunkle Seite wechseln, sondern immer schön ins Licht gehen. Wenn ihr das beherzigt, wird dem Abenteuer ‚Wüstenstadt‘ rein gar nichts mehr im Wege stehen.

Zum Abschluss eine kleine Anmerkung meinerseits. Ihr solltet euch nicht wundern, aber die ersten 16 Tage unserer Reise begleitet uns Doro, eine Freundin aus Berlin, die nun die einzige Person ist, die bei all unseren Hochzeiten (außer uns) zugegen war (Glückwunsch!) und der Grund dafür ist, weshalb wir sogar Fotos von der Trauung haben, die wir hier zum Besten geben werden. 

 

Leider ist jetzt schon wieder Zapfenstreich angesagt, denn wir müssen heute noch unsere Schatzinsel verlassen und den Weg nach Saint George einschlagen, damit ich dort am Samstag Morgen beim 40. St. George Marathon teilnehmen kann. Mal sehen, wie gut ich den Berlin Marathon in der letzten Woche körperlich weggesteckt habe. Alles in allem kann ich das Rennen ruhig angehen und bin ja nicht auf der Flucht. Alles weitere erfahrt ihr dann wie immer hier oder in einem Theater in eurer Nähe. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, die ihr mir entgegengebracht habt. Mal sehen, was das nächste Mal Bestandteil unseres Blogs sein wird. Lieben Gruß nach Hause. Tschüss!

 

‚Elvis has left the building! Thank you and good night!‘ 

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