Die Unruhestifter vom Venice Beach! (Freitag, 14. Oktober 2016)

 

Heute melden wir uns endlich das erste Mal aus dem sonnigen Kalifornien zu Wort; werden darüber berichten, wie es in Los Angeles denn so war, der achso glamourösen  Hauptstadt des großen Kinos.

 

Vorsicht Spoileralarm: Die Stadt der Engel und wir werden in diesem Leben wahrscheinlich keine Freunde mehr werden. Denn, das war so. Nachdem wir so entspannt den Bryce Canyon in Utah und im Anschluss den Grand Canyon in Arizona besucht hatten, sah unsere Reiseplanung den Aufenthalt in Los Angeles vor, da wir nach unserem letzten Besuch im Jahre 2014 noch eine ordentliche Rechnung offen hatten. Doch offensichtlich wird diese auch im Jahre 2016 nicht beglichen werden. Und das lag unter Garantie nicht an den weitgereisten deutschen Touristen, die einfach nur auf der Suche nach gutem, alten Sightseeing-Spaß waren. Davon hat die Stadt, um nicht zu hart ins Gericht zu gehen, nämlich ausreichend zu bieten. Da wäre selbstverständlich das berühmte Hollywood Sign (dieses Mal über den Mulholland Drive angefahren, um vom Hollywood Bowl Overlook mal einen etwas anderen Blick zu riskieren), der Rodeo Drive (allerdings auch nur für Personen des öffentlichen Lebens mit ausreichend Pinkepinke) oder auch der Walk of Fame (der schäbiger kaum sein könnte, doch irgendwie dazugehört). Wobei wir hier aber immer noch nicht am Ende der Sehenwürdigkeiten-Fahnenstange angelangt sind. Das wollte ich zumindest noch erwähnen. Es gibt noch so viel mehr zu sehen. Für alles fehlt einem etwas die Zeit, weil man die Großzeit des Tages (sollte man mit dem Automobil unterwegs sein) im Stau stehen wird. Und wir haben alle Tageszeiten ausprobiert. Das könnt ihr uns glauben. Vielleicht waren wir aber auch in so etwas wie der Truman Show gefangen. Ein abgekartetes Spiel sozusagen. Die Unzufriedenheit rührte aber eher daher, dass die Stadt unruhig und wenig freundlich ist. Die Menschen scheinen ein extremes Egoproblem zu haben und zu jeder Zeit in einem Schauspiel gefangen zu sein. Kurzum: Sie würden gerne etwas darstellen, was sie nicht sind und mit Sicherheit auch nie sein werden. Vorher bekomme ich einen Stern auf dem Walk of Fame! Außerdem würde man von einer Stadt, die ständigen Glamour darstellt, erwarten, dass Obdachlosigkeit eher eingedämmt wird als gefördert. Sehr enttäuschend meine Freunde. Setzen 6! 

Doch wofür wir allerdings hier keine Zeit haben, ist Trübsal blasen. Die Sonnenstunden des Tages müssen schließlich genutzt werden. Was würde sich dafür denn nicht am besten eignen, als an den Strand zu fahren.

 

Wenige Meilen von unserer Unterkunft entfernt lag nämlich der Venice Beach, den man auf keinen Fall verpassen sollte, wenn man schon einmal in der Nähe ist und mit dem Gefühl in die Stadt kommt, Sonne tanken zu müssen. Die Aktivitäten, denen man sich hingeben kann, scheinen auch für Touristen beinahe grenzenlos zu sein. Darf es ein kleines Bad im Pazifik, doch lieber eine Beachcruiser-Tour oder vielleicht eine Trainingseinheit am Muscle Beach sein? Letzteres birgt jedoch gewisse Gefahren, wenn man statt zu trainieren wie Harry Hirsch, mit Kamera bewaffnet, auf die Jagd nach der besten Einstellung und des noch besseren Motivs geht. Dann soll dieser 2,20 m muskelbepackte Hüne doch bitte drinnen trainieren, wenn er etwas dagegen hat, Platz auf unserem Speicherchip einzunehmen. So habe ich ihm das zwar nicht direkt ins Gesicht gesagt, aber ich war kurz davor. Das schwör’ ich! Verdammt, hatte der große Hände. Zu unserer eigenen Sicherheit haben wir dann lieber mal das Weite gesucht und Gott sei Dank auch im Sonnenuntergang am Venice Beach gefunden. Da waren wir zur Abwechslung mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. So schnell können Tage in Kalifornien also vergehen! Weiter im Text.

Dies war also unser Start in L. A., dazwischen haben wir den ganz normalen Sehenswürdigkeiten-Wahnsinn mitgemacht, den ich vielleicht in das ein oder andere Bild packen kann, aber erzählen? Nö, nicht sehr lohnenswert. Doch wie es sich für einen großartigen Abschluss gehört, bewegten wir uns am allerletzten Tag noch gepflegt in die Universal Studios. Zum Filmemachen! Kleiner Cockpit-Ulk am Rande. Die Universal Studios sind eine gesunde Mischung aus Freizeitpark mit Achterbahnen, 3-D bzw. 4-D Animationen und eben dem Blick hinter die Kulissen der Filmfabrik ‚Hollywood’. Man konnte am Ende zumindest nicht behaupten, dass wir nicht ausreichend für unser Geld bekommen haben. Denn schließlich verbrachten wir neun Stunden unseres Lebens in diesem Park; eigentlich gehört der uns jetzt sogar zum Teil. Doch davon wollen die Herren Filmemacher aber natürlich nichts wissen. Dennoch hatten wir einen tollen letzten Nachmittag mit ganz viel Amüsement in Los Angeles und werden höchstens noch zu unserem Rückflug nächste Woche zurückkehren, wenn es dann wieder heißt: Muchas Gracias und Adios Amigos!

Eigentlich waren wir bereits auf dem Weg nach Portland in Oregon, als die Wettervorhersage so etwas verlauten ließ wie Drei-Tage-Regenwetter. Nicht mit uns. Gekonnt sind wir nämlich spontan kurz hinter San Francisco einfach wieder ab in den Süden - der Sonne hinterher… Zur Strafe dafür hat es uns vorhin im Yosemite Nationalpark eiskalt erwischt, als wir in Höhe von 9000 Fuß von fiesem Schneeregen überrascht wurden und sogar unsere gute Wollmütze auspacken mussten. Dankeschön hierfür. Doch entschädigt für diese Unannehmlichkeit hat uns der faszinierende Ausblick und das Farbenspiel, das uns der Park geboten hat. Weil wir die letzte Woche hier noch etwas vorhaben, hat uns unser Weg quer durch den Yosemite und die Sierra Nevada hinüber auf die andere Seite nach Ridgecrest geführt. Ein wahrer Höllenritt bis hierhin, habe auch schon ordentlich kleine Augen. Doch für euch halte ich sie natürlich noch offen, bis dieser Bericht endlich mal ein Ende gefunden hat. Meine Intention bestand heute einfach nur darin, euch zu zeigen, dass es uns gut geht und wir immer unterwegs sind. Ruhe- und rastlos. Bis wir irgendwann mal irgendwo ankommen. So werden wir das einfach weiter handhaben.

 

Jetzt sitzen wir hier also in Ridgecrest und freuen uns auf unsere morgige Fahrt ins Tal des Todes. Das Thermometer soll gegen Mitttag auf muckelige 32° Celsius ansteigen, beinahe schon etwas zu frisch für das Death Valley. Dann muss eben ein weiteres Mal unsere fesche Wollmütze herhalten. Denn wie meine alte Deutschlehrerin schon zu sagen pflegte: Erfroren sind schon viele, erstunken ist noch keiner! Somit wäre dann auch schon alles gesagt, meine Freunde! Wir sehen uns im Tal des Todes. 

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