06. Mai 2017 - Die Reise nach Jerusalem! (nur ohne Stuhl wegziehen)

 

Ein nettes und freundliches Schalom, meine Freunde! Jetzt sitzen wir hier schon wieder am Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv und warten an unserem Gate auf unseren Rückflug in das nasskalte Deutschland. Schön war es hier. Wie schön, erfahrt ihr vielleicht sogar im vorliegenden Bericht. Dieses Mal nehmen wir Euch nämlich mit auf unsere Reise nach Jerusalem. Nur alles ohne Stuhl wegziehen. Dann seid mal gespannt, was diese heilige Stadt für uns zu bieten hatte und was nicht. So, dann wünsche ich Euch gute Unterhaltung und hoffe, dass ihr uns bald wieder beehrt. Dann mal mit Karacho Richtung Berichterstattung.

 

Nach zwei Nächten in Tel Aviv (der Tel Aviv Bericht folgt in Kürze) sind wir bums, ab nach Jerusalem. Die Reise dorthin stellte uns vor weniger Probleme, als wir anfangs befürchtet hatten. Nach kurzem und halbherzigen Sicherheitscheck beim Betreten des Busbahnhofs führten uns die Hinweistafeln ohne muh und mäh zur richtigen Plattform. Die Bezahlung nimmt man ganz einfach beim Busfahrer vor und zahlt 16 NIS (Neue israelische Schekel) pro Person, was umgerechnet in unser Zahlungsmittel ziemlich genau vier Euro sind. Was das in Kamelen und Schafen ist, müsste ich vielleicht dann noch in Erfahrung bringen. Entschuldigt bitte meine Unwissenheit. Ihr solltet Euch übrigens nicht wundern, dass die Rückreise von Jerusalem mit dem Bus dann auch schon wieder 19 NIS kostet. Warum dass, weiß ganz allein der Wind. Obwohl, wahrscheinlich noch nicht einmal der.

Robert Dickman, unser Guide!
Robert Dickman, unser Guide!

Bei einer Besichtigung Jerusalems und der Altstadt sollte man sich in jedem Falle einen ortskundigen Guide an die Hand nehmen, denn aufgrund der vielen engen und verwinkelten Gassen ist die Desorientierung vorprogrammiert. Unsere Tour wurde von einem Kanadier namens Robert Dickman durchgeführt (ich gebe Euch ein paar Minuten, um über den Nachnamen hinwegzukommen. Warnung: Es handelt sich dabei eindeutig um Schweinskram.), der den Altstadtspaziergang am Jaffa Tor begann, uns über die Dächer Jerusalems führte, an der Klagemauer vorbei und uns nach dem Besuch der Grabeskirche nach drei Stunden wieder wohlbehalten am Jaffa Tor ablieferte. Die Tour wurde, wenn man so will, auf Denglisch durchgeführt, da Robert manche Vokabeln im Englischen weitaus flinker einfielen. Nichtsdestotrotz gestaltete er die ganze Veranstaltung ungemein kurzweilig, hat noch einmal kurz durchblicken lassen, was genau er von der Kirche hält und hat uns immer wieder bei Laune gehalten, indem er einfach dusseliges Zeug gequatscht hat. Es versteht sich jedoch von alleine, dass bei diesem vorgegebenen und durchaus knappen Zeitlimit auf keinen Fall alles beinhaltet sein kann, was dieser historische Ort zu bieten hat. Doch Robert hat, unserer Meinung nach, das beste daraus gemacht und kann weiterempfohlen werden. Wahrscheinlich werden auch andere Läden nette Roberts haben, aber keiner wird so durchgedreht sein, dessen könnt ihr Euch sicher sein.

Die Altstadt Jerusalems teilt sich übrigens in vier Viertel auf und beheimatet das Muslimische, das Christliche, das Armenische sowie das Jüdische Viertel. Die kleinen Gassen sind rechts und links gesäumt von kleinen Souvenir-, Gewürz- oder auch Schmuckläden. Sehr schön anzusehen, doch kaufen muss man hier wahrlich nichts. Zudem lohnt sich ab Sonnenuntergang am Freitag, der Beginn des Schabbat, ein Gang durch das jüdische Viertel bis hinunter zur Klagemauer, da ab diesem Moment die Arbeit bis zum Sonnenuntergang des nächsten Tages niedergelegt wird. Wenn man sich dann nämlich doch einfach mal alleine durch die Gänge zwängt, hat das eine gewisse Mystik, der man sich einfach nicht entziehen kann. Es hatte sogar beinahe den Anschein, dass hinter jeder Ecke ein neuer Jack the Ripper warten könnte. Und als wir eben so unseres Weges schlenderten und orientierungslos den Weg Richtung Klagemauer zu finden versuchten, bot uns wie aus dem Nichts Eljas, ein Mittvierziger Jude, der gerade auf dem Weg zur Abendspeisung in seinem trauten Heim war, seine Hilfe als Wegweiser an. Als er aus dem Gespräch heraus erfuhr, dass Annett gerade hier ihren Geburtstag verbringt, lud er uns kurzerhand ins Rabbihaus ein. Wir sagten zu, ohne zu wissen, wer oder was dort auf uns lauern würde. 

Nach einem ewig langen Spaziergang in die Vorstadt, so hatte das zumindest den Anschein, bogen wir in den für Autos abgesperrten Bereich des ultraorthodoxen Viertels ab. Das Rabbihaus schließlich befand sich in einem Wohngebiet, war bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die den Worten des Rabbis lauschten und sich den Bauch mit Gemüsesuppe vollschlugen. Mit einem ausgeklügelten Mix aus Englisch und Hebräisch hielt der Rabbi für die versammelte Mannschaft eine Predigt, in der es primär darum ging, dass die größte Sünde darin besteht, böses hinter dem Rücken anderer Menschen zu sprechen. Das könnte am Ende nämlich voll in die Hose gehen. Und das wird bestimmt niemand wollen. Nach einer guten Stunde und in einem für uns passenden Moment zogen wir uns dann nach Gemüsesuppe und einer Ode an die Sünde langsam wieder zurück und traten die Heimreise in unsere Unterkunft in der Ben Yehuda Straße an. So ging also ein spannender Geburtstagsabend zu Ende, den ich selbst nicht besser hätte organisieren können.

Eigentlich könnte man in Jerusalem Wochen zubringen und hätte immer noch nicht alles gesehen. Wir versuchten, aus unserer knappen Zeit, die wir nun einmal hatten, das für uns  Beste herauszuschlagen, fuhren mit der Linie 1 zum Yad Vashem, einer Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, kletterten auf den Berg Zion, auf dem sich der Abendmahlsaal, das Grab des Königs David oder auch die letzte Ruhestätte Oskar Schindlers befindet (die Öffnungszeiten des letzteren lassen hier aber sehr zu wünschen übrig und dreimal dürft ihr raten, wer mal wieder zu spät dran war) und mieteten uns zum Abschluss unserer Reise nach Jerusalem ein Auto, mit dem wir zielsicher die Stadt Richtung Wüste verließen. Dass aber die Menschen in Israel feiern was das Zeug hält und keine Fete auslassen, konnten wir in diesem Moment ja noch nicht ahnen. Denn als wir zielstrebig nach geschlagenen zwei Tagen das Auto an der selben Vermietstation wieder loswerden wollten, realisierten wir erst, dass der Staat Israel genau an diesem Tage 69 Jahre bestand und es wirklich niemand für nötig hielt, die Stadt am laufen zu halten. Man soll die Feste ja bekanntlich feiern wie sie fallen und noch einmal herzlichen Glückwunsch, doch wir hätten auch gerne Geschäfte mit Euch gemacht. So waren wir nämlich gezwungen, die Fahrt zum Tel Aviver Flughafen zu unternehmen, da das Office dort glücklicherweise rund um die Uhr besetzt ist. Somit Glück im Unglück gehabt, denn das Auto mit nach Hause nehmen, wollten wir schließlich auch nicht.

Jerusalem, um diese Geschichte irgendwann einmal zu Ende zu bringen, ist eine faszinierende und historische Stätte, der man aber ein paar Tage geben muss, um sich mit den Menschen und der Stadt anzufreunden. Wenn man das am Ende geschafft hat, seid ihr fast Freunde für’s Leben, oder für die jüngeren unter Euch, Donnerbuddies. Es leben dort so viele verschiedene Kulturen und Religionen unter einem Jerusalemer Dach, das genau das alleine schon eine gewisse Bewunderung wert wäre. Dennoch hat man den Anschein, dass die Uhren immer noch etwas anders zu ticken scheinen. Der persönliche Eindruck sagte uns, dass die Toleranz einer freizügigeren Lebensweise weniger vorhanden war, als dies in Tel Aviv oder auch anderswo der Fall war. Das kann aber auch daran liegen, dass der Tourismus hier ganz klar die Oberhand hat und die Altstadt tagein tagaus von Touristen überrannt wird und wenn wir an dieser Stelle mal ehrlich sind, würden wir uns wünschen, unsere Stadt ebenfalls wenigstens ein einziges Mal für uns alleine zu haben.

 

Wie dem auch sei, so haben wir uns dazu entschieden, wie bei all den vielen Reisezielen vorher, irgendwann einmal zurückzukehren. Da bleibt jetzt also nur zu hoffen, dass wir sieben Leben haben, sonst wird das irgendwie knapp mit der Zeit. In diesem Sinne wünschen wir Euch ein angenehmes Wochenende, wo auch immer ihr gerade sein mögt. Bis die Tage, wenn wir Euch dann noch einmal auf eine Reise nach Tel Aviv mitnehmen. 

 

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