Die Reise nach Bethlehem! (Montag, 01. Mai 2017)

 

Nun liebe Leser, gebt fein Acht, wir ha’m Euch etwas mitgebracht!

 

Es war wahrlich schwer, einen Anfang zu finden und aktuell schwirren einem immer noch 1001 Geschichten durch den Kopf, die es zu verfassen wert wäre. Leider kann für heute allerdings nur eine das Rennen machen und hoffe sehr, dass ihr über unsere Entscheidung nicht enttäuscht sein werdet.

 

Denn… the winner is… Bethlehem. Wir werden, wenn wir schon dabei sind, einigen Fragen auf den Grund gehen müssen, z. B. warum Maria und Josef sich genau dort entschieden haben, den Messias zur Welt zu bringen oder ob etwa die heiligen drei Könige etwas damit zu tun haben, dass es unweit des Stalls einen Starbucks gibt? Oder war dieser unter Umständen schon vorher da und die Geschichte müsste umgeschrieben werden? Who knows? Wir werden uns in den nächsten Zeilen auf die Spurensuche einer Geschichte begeben, die kein zweites Mal so oft verkauft wurde (Harry Potter könnte so langsam mal seinen Besen wieder einpacken) und dessen Hauptdarsteller in den sozialen Netzwerken noch heute in aller Munde ist. Jetzt aber viel Spaß mit unserer Reise nach Bethlehem. Nicht zu verwechseln mit der Reise nach Jerusalem.

Bethlehem, sei gesagt, liegt mit dem Bus ungefähr eine halbe Stunde südlich von Jerusalem und qualifiziert sich dadurch exzellent als Destination für einen Ausflug über einen Tag. Da wir uns zu diesem Ausflug ausgerechnet am Schabbat aufgerafft haben, mussten wir kurzerhand auf die arabische Buslinie zurückgreifen, da an diesem Ruhetag der israelische Verkehr nahezu brach liegt. Doch pünktlich gegen zehn Uhr bestiegen wir also am Damaskus Tor nahe der Altstadt den Bus nach Bethlehem und selbst, wenn man keinen blassen Schimmer hat, welcher Bus wohin fährt, gibt es vor Ort immer hilfsbereite Menschen, die einem zielsicher weiterhelfen.

 

Wichtige Information am Rande (neben all den anderen wichtigen Informationen in diesem Bericht): Auf keinen Fall vergessen sollte man den Reisepass mit der aktuellen Aufenthaltsgenehmigung, die man vom Staate Israel ausgestellt bekommen hat. Denn aufgrund der Tatsache, dass sich Bethlehem in palästinensischem Autonomiegebiet befindet, kommt man zumindest auf dem Rückweg an einer Passkontrolle nicht vorbei. Solltet ihr Euer Dasein also nicht gerade bei Wasser und Matzebällchen fristen wollen,  besser zweimal checken, ob ihr alle Papiere am Mann oder der Frau habt. Denn dann steht dem Vergnügen auch gar nichts mehr im Wege und ihr könnt Eures Weges ziehen.

Die Ankunft am Ziel erfolgt nach einer angenehmen Fahrt auch nur knapp zwei Kilometer von Bethlehems Stall entfernt, können einen Spaziergang dennoch weniger empfehlen, da die Stadt eher einer Berg- und Talfahrt gleicht als flachem Terrain. Wer sich Bethlehem leicht verwaist und einsam vorstellt, ist noch dazu falsch gewickelt. So mag es vielleicht vor 2017 Jahren gewesen sein, doch in der heutigen Zeit hat sich daraus eine nette kleine Stadt entwickelt, die ganz gut versteht, wie business funktioniert. Sehr zu empfehlen ist, allen Pessimisten zum Trotz, die Tour mit einem Taxifahrer des Vertrauens, die einem gleich an der Bushaltestelle auflauern. Bei uns hatte der Fahrer Arjah den Zuschlag bekommen und uns für unser Vertrauen nicht enttäuscht. 

 

Die festgelegte Route bestand aus dem etwas weiter entfernten Shepherd’s Field, auf dem der Engel den drei Hirten die Geburt des Messias verkündet hat. Diese sollen auch prompt losgestürmt sein, um sich davon zu überzeugen, ob an dieser Geschichte was d’ran ist. Genau so soll es sich zugetragen haben.

Weiter ging es für uns zur Milchgrotte, in der Maria den guten Jesus gesäugt haben soll und ein Tropfen dieser kostbaren Milch auf den roten Felsen fiel und diesen weiß färbte. Ende der Geschichte. Mit Einzelheiten möchten wir Euch wahrlich verschonen. Nichts zu danken.

 

Im Anschluss, als Highlight sozusagen, stand endlich der Besuch der Geburtskirche auf dem Programm. Doch leider befindet sich der Ort, an dem Jesus zur Welt gekommen ist bzw. sein soll, gerade im Bau und der Gang hinunter in die Geburtsgrotte war zudem zu unserer Zeit gesäumt von Reisegruppen, die diesem heiligen Ort besonders nahe sein wollten. Deshalb hielten wir unseren Aufenthalt insgesamt etwas knapper, erhaschten noch einen kurzen Blick auf Konstantins Mosaikboden aus dem 4. Jahrhundert, der durch eine kleine Falltüre im Boden bestaunt werden kann und schlenderten im Anschluss noch ein klein wenig über den Manger Square mit dem bereits erwähnten Starbucks Café, das jedoch in keinerlei Verbindung zu der bekannten amerikanischen Kaffeehauskette stehen soll. Die Mitarbeiter wären Zeugen genug gewesen. Und an free wifi war auch gar nicht erst zu denken. 

Wir entschieden uns am Ende dann eben gegen einen Bethlehemer Frappuccino mit Sojamilch und für die Mittagsspeisung auf einem arabischen Markt, die dort so erfreut waren uns zu treffen, dass meiner Frau von dem palästinensischen Obstbauern Früchte als Zeichen der Freundschaft geschenkt wurden. Als Abschluss wurde die Freundschaft mit einem gemeinsamen Foto besiegelt (ohne mich) und basta. 

 

Aus welchen Gründen auch immer soll man zudem unbedingt, wenn man schonmal in Bethlehem ist, ein Hähnchen probieren und als ob unser Fahrer Gedanken lesen könnte, erfüllte er uns genau in diesem Augenblick den Wunsch nach einem leckeren Mittagessen auf eben dem selben Markt. Zartes Hähnchen mit krosser Haut, dazu Curryreis mit Grütze und einer sehr leckeren Sauce. Nicht zu vergessen das Pitabrot, das hier beinahe zu jedem Gericht aufgefahren wird. Auf kurze Nachfrage bekamen wir sogar noch frisch zubereitete Falafel und weil man bekanntlich auf einem Bein nicht stehen kann, hielt man es für notwendig, nachdem der Teller leer war, einfach nachzulegen. Am meisten beeindruckte uns die Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht wurde, denn zu einem Teil des reich gedeckten Tisches wurden wir, ob wir wollten oder nicht, einfach eingeladen. Als kleinen Absacker gab es als Abschluss einen hervorragenden Kardamom Kaffee aus einer kräftigen Bohne gebrüht. Ich sach nur: Nich’ lang schnacken, Kopp in’n Nacken. 

Sollte Interesse bestehen, können wir Euch gerne den Kontakt zu unserem Fahrer herstellen, der uns nämlich professionell mit einer Visitenkarte versorgte, die wir ohne mit der Wimper zu zucken sogar weiterreichen würden. Zum Abschluss unseres Ausflugs brachte uns Arjah schließlich noch an die Grenzmauer zwischen Israel und Palästina, die hier anscheinend eigentlich niemand so richtig haben will. Unser Fahrer war zudem sichtlich überrascht, als ich ihm erklärte, dass wir in Deutschland vor gar nicht allzu langer Zeit auch noch eine Mauer hatten, die unser Land geteilt hat. Vielleicht kann sich die Geschichte ja auch hier ein weiteres Mal wiederholen und die Mauer eines Tages zu einem Relikt einer längst vergangenen Zeit machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Die Reise nach Bethlehem gehört ganz klar in das Repertoire jeder Israel Reise aufgenommen, haben auf der Tour viele freundliche Menschen getroffen und erfahren, dass die Menschen auf der anderen Seite der Mauer uns Deutsche und alles was aus Deutschland kommt sehr gut leiden können. An uns ist ja schließlich auch was d’ran. Wen wundert es also? Jetzt schließt sich auch schon wieder der Kreis, indem wir uns ganz gut vorstellen können, weshalb Maria und Josef sich für die Niederkunft das gute, alte Bethlehem ausgesucht haben. Die Lage ist die Wucht, die Menschen fetzig und es hat wahrlich allen pipapo zu bieten. Also, sattelt die Esel und auf nach Bethlehem. Zur besseren Orientierung solltet ihr Euch vielleicht wie die heiligen drei Könige immer an den Starbucks halten. Wir sehen uns auf der anderen Seite der Mauer.

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