Des Königs neues Fahrrad!

(Donnerstag, 13. Dezember 2018)

 

Hallo und herzlich Willkommen live aus Thailand. Dem Land, in dem man noch etwas für seine sauerverdienten Baht bekommt. Seit dem Tag nach Nikolausi (die Zeitangabe könnt ihr ab jetzt als etabliert betrachten) verweilen wir nun hier und haben bereits wieder einmal so viele tolle Dinge in den wenigen Tagen, seitdem wir hier sind, erlebt, dass ich mich dazu entschieden habe, Euch nur eine einzige Sache zu erzählen. Vielleicht trifft man sich nach unserer Rückkehr ja mal auf einen Dia-Abend, dann können wir über den Rest schnacken. Bis dahin solltet ihr nehmen, was ihr bekommt. 

Also, das war so. Wir wollten zurück in unser Hotel, unser Tuk-Tuk-Fahrer uns aber über den Tisch ziehen. Fairerweise muss man an dieser Stelle zwar eingestehen, dass die Stadt wirklich, wie er uns ohne Lug und Trug mitzuteilen versuchte, für den Verkehr gesperrt war, doch abgemacht war schließlich abgemacht. Oder wie war das mit, 'ein Mann ein Wort'? Er konnte nicht weiterfahren und wir waren noch lange nicht an unserem Ziel angelangt. Da steckten wir jetzt aber in einem kleinen Dilemma. Um die Sache hier dann doch mal abzukürzen: wir haben ihm kurzerhand von dem vor der Fahrt abgemachten Preis wegen Nichterfüllung des Vertrages zum Transport von Tuk-Tuk-Touristen von A nach B ein stattliches Sümmchen abgezogen, uns barsch verabschiedet und schließlich das Weite gesucht. Und auch schnell gefunden, in Form von Gelbhemden der ‚Bike For Dad’-Bewegung. Da wären wir also direkt beim Thema. 

Bike for Dad 

 

Es war im August 2015, als Kronprinz Maha Vajiralongkorn (solltet ihr Euch merken, denn der junge Mann wird gleich noch eine Hauptrolle erhalten) zum ersten Mal eine Veranstaltung initiierte, die zu Ehren der Königin von Thailand, seiner Mutter, stattfand. ‚Bike For Mom‘ war geboren! Mit gut und gerne 300.000 Menschen landesweit, die sich dieser Bewegung angeschlossen haben und auf ihr Fahrrad aufsprangen, konnte man bei dieser Veranstaltung durchaus von einem Erfolg sprechen. Angeführt wurde die Traube an Fahrradfahren vom Kronprinzen höchstpersönlich.

Im Dezember des selben Jahres folgte auch prompt der 88. Geburtstag von König Bhumibol. Und wenn zu Ehren der Mutti eine Fahrradtour durch das ganze Land organisiert wird, darf Papi ja wohl nicht zu kurz kommen und somit hatte auch die Idee um ‚Bike For Dad‘ schließlich das Licht der Welt erblickt. Allen voran natürlich wieder einmal der Kronprinz himself. Leider sollte dieser Geburtstag auch der letzte für König Bhumibol gewesen sein, denn im Oktober 2016 verstarb er traurigerweise in Bangkok und das ganze thailändische Volk war zu Tode betrübt. Wie das aber andererseits mit Kronprinzen nun einmal so ist, haben die ganz gute Chancen, irgendwann einmal Thronfolger zu werden. Und siehe da, gestern noch Fahrradtouren organisiert, heute König. Aus Maha Vajiralongkorn wurde Rama X. Sonst änderte sich nichts. Außer vielleicht die Geldscheine, mittlerweile mit seinem eigenen Konterfei versehen. 

Ein Tag im Dezember

 

Am zweiten Wochenende im Dezember 2018 war es dann wieder einmal soweit, dass der König ein drittes Mal die Energie aufbrachte, eine Neuauflage der ‚Bike For Dad’-Tour auf die Beine zu stellen. Nur wenige Tage nach dem Geburtstag seines 2016 verstorbenen Vaters, König Bhumibol oder Rama IX. Da hat er einfach seine superwichtigen Königssachen liegenlassen und sich um sein Herzensprojekt - ‚Bike For Dad‘ - gekümmert. Das thailändische Volk schien deshalb zurecht völlig aus dem Häuschen zu sein.

 

Und wir mittendrin. Durch Zufall. Nur weil unser Fahrer uns nicht wie verabredet dorthin brachte, wo wir hingehörten. Denn plötzlich saßen da tausende von Menschen fahnenschwenkend entlang der Straße, andere warteten mit ihrem zweirädrigen Gefährt nur wenige Meter daneben auf den Startschuss. Alles unter strenger Beobachtung der Polizei, dem Militär und jungen Helfern, die ganz gut im Bilde waren, was man darf und was man eventuell doch eher lassen sollte. Aus dem Bauch heraus würde ich glatt sagen, wurde ich etwas zu häufig zurechtgewiesen. Eine Monarchie scheint wohl nicht für mich gemacht zu sein. / Hier solltest Du nicht gehen... / Nicht stehen, sondern sitzen, … / ab in die zweite Reihe, Du trägst kein gelbes Shirt, … / die Füße nach hinten, Du willst dem König ja wohl nicht die nackten Fußsohlen zeigen, … / jetzt nimm aber mal die Sonnenbrille vom Kopf… / Fotos und Videos???? Auf ihn mit Gebrüll… / Um am Ende jedoch mit der Fahne zu wedeln schien ich dann aber wieder gut genug gewesen zu sein.

Der Tross ist unterwegs

 

In meiner Vorstellung passierte der König sein staunendes Volk zwar in einem Konvoi aus europäischen Luxuskarossen, doch weit gefehlt. Denn der König von Welt fährt heutzutage Fahrrad. Außerdem trug er weder einen königlich goldenen Fahrradhelm, noch übte er die typische Handbewegung eines Mitglieds des Königshauses aus. Ihr wisst schon: winkewinke! Hätte er wenigstens des Königs neue Kleider getragen. Wäre zwar etwas peinlich für ihn geworden, aber eben auch eindeutig. So mogelte er sich also, begleitet von seinem Sicherheitsgefolge (selbstverständlich auf Fahrrädern), an uns und dem thailändischen Volk beinahe unerkannt auf seinem königlichen Drahtesel vorbei, ohne auch nur ansatzweise allzu große Allüren an den wunderschönen Abend zu legen. So schnell wie er kam, war er schließlich auch schon wieder an uns vorbeigesaust und der Tross der immer noch wartenden Fahrradfahrern setzte sich langsam aber sicher in Bewegung. Jeder in seinem Tempo. Ich bin zwar kein Experte, aber könne mir ganz gut vorstellen, dass es bestimmt auch nicht gerne gesehen wird, wenn man dem Staatsoberhaupt zeigen möchte, wo der Froschkönig seine Locken hat. Deshalb reiht man sich als braver Erdenbürger immer schön hinten ein und genießt die Fahrt durch das wunderschön illuminierte Bangkok in gemächlichem Tempo. Es geht schließlich nichts über etwas aktive Regeneration. 

Wir für unseren Teil haben uns tagsdrauf sicherheitshalber noch mit einer Tageszeitung eingedeckt, die den fahrradfahrenden thailändischen König auf der Titelseite abgedruckt hat. Für die einen sind es Erinnerungen, für die anderen eben Nippes. Aber wir waren dabei. Haben den König von Thailand in seiner ganzen Pracht erleben dürfen und bringen etwas mit nach Hause, wovon wir irgendwann bestimmt auch noch unserem Patenkind erzählen können.

 

Jedenfalls haben uns all diese Erinnerungen ein weiteres Mal in dem Gefühl bestärkt, dass Bangkok unsere nicht ganz heimliche Herzensstadt ist und auch vorerst bleiben wird. Die Menschen sind, abgesehen von dem ein oder auch anderen Tuk-Tuk-Fahrer, überaus freundlich und zuvorkommend. Außerdem haben sie uns mit ihrem leckeren Essen schon lange auf ihre Seite gezogen und das Wetter ist, außerhalb der Regenzeit zumindest, auch nicht zu verachten. Ganz nach meinem Geschmack. Wir werden am Ende unserer Reise noch einmal nach Bangkok zurückkehren, soviel steht fest, doch wird es uns auch die nächsten Jahre immer wieder in diese Stadt zurückziehen. Hier fühlen wir uns wohl. Das Leben ist so unkompliziert, noch nie haben wir uns in irgendeiner Form unsicher gefühlt (ganz im Gegenteil) oder wurden gar bedroht. Um es mit den Worten unseres Tuk-Tuk-Fahrers zu beschreiben: Seid ihr gut zu mir, bin ich gut zu Euch. Mag sich vielleicht gerade etwas schmutzig anhören, aber wurde im Sinne des Textes auch schlicht und ergreifend aus dem Zusammenhang gerissen. Ich habe doch gesagt, ihr solltet nehmen, was ihr bekommt. Bin kein Mann der großen Worte. Ich lasse Taten für mich sprechen. Bevor es hier jetzt zu kitschig wird, verkrümel ich mich jetzt lieber und gehe was essen. Seht ihr, ich lasse Taten folgen. Tschüss.