Der Rüsselheber von Hirschhorn! (Samstag, 24. Juni 2017)

 

Jetzt sind wir nach unserer fünftägigen Tour durch einen kleinen Teil Deutschlands wieder gesund und munter im heimischen Berlin angekommen und nutzen gerade noch die letzten freien Stunden, um uns von dieser sehr aktiven sowie intensiven Zeit noch etwas zu regenerieren und den Erlebnisbericht auf unser digitales Papier zu übertragen. Wir haben viel erlebt, zünftig g'feiert und sind jetzt außerdem neue Mitglieder einer ganz besonderen Organisation geworden. Wenn ihr es mit der Spannung nicht mehr aushaltet, lest einfach weiter und verlasst nie den Pfad, dessen Richtung ihr immer folgen sollt.

 

Bekanntlich sollte man alle Feste feiern wie sie nun einmal fallen. Genau diesen Leitsatz nahmen wir zum Anlass, den letzten Abend vor unserer Abreise nicht mit dem Packen sinnloser Utensilien zu verbringen, sondern waren, im Gegenteil, zu einem fetzigen Liederabend in die Berliner Volksbühne geladen. Gastgeber an diesem Dienstag war kein geringerer als Funny van Dannen, der vor dem anstehenden Intendantenwechsel noch ein letztes Mal die Volksbühne bespielen wollte und die Karten auch prompt wie warme Semmeln (oder Schrippen) über die Theaterkassen der Welt wanderten. Ein historisch bedeutungsvoller Abend mit Liedern wie 'Billige Räusche', 'Herzscheiße', 'Vladimir Putins Cousine' oder dem absoluten Evergreen 'Posex & Poesie'. Funny spielte an diesem Abend, ausschließlich mit Gitarre und Mundharmonika bewaffnet, ein Potpourri seiner größten Hits, sehr zur Freude von Jung und Alt - und uns! Genau so hatten wir uns den Beginn unserer bevorstehenden Reise vorgestellt und waren nun Feuer und Flamme, was uns Deutschland die nächsten Tage bieten wird.

Gleich am nächsten Morgen brachen wir mit unserem Gefährt zuverlässig nach Köln auf, um dem einzigen Deutschland Konzert von Rob Zombie im E-Werk beizuwohnen. Den meisten unter Euch wird Rob Zombie bestimmt als Macher von Horrorfilmen ein Begriff sein, doch eigentlich waren wir dort, um den herausragenden Gitarristen der Band spielen zu sehen. Denn im letzten Herbst waren wir ausnahmsweise mal verreist, als er zu seiner instrumentalen Soloshow in Deutschland auftrat. Dann sollte der Berg eben dieses eine Mal zum Propheten kommen. Naja, war ordentlich laut und haben uns zudem ordentlich eingeheizt, aber irgendwie war für uns vor der ersten Zugabe bereits Schluss. Begaben uns noch auf einen abschließenden Kontrollgang durch die Halle und verkrümelten uns sehr gekonnt durch den Haupteingang. Der Zahn der Zeit nagt eben auch an uns. Da beißt die Maus schließlich keinen Faden ab.

 

Abschließend zu unserem kurzen Kölner Gastspiel einen herzlichen Dank an Eva, Tommy und Axel (in Abwesenheit), die uns bereitwillig und völlig selbstlos einen Teil ihrer Kölner Wohnung zur Verfügung gestellt haben und wir zudem noch so lange wach bleiben durften, ohne ausgeschimpft zu werden. War echt dufte. Wir glauben, wir werden doch bei Euch einziehen. Die ersten Kartons sind bereits auf dem Weg zu Euch. 

Dann kam aber auch schon der Freistaat Bayern und unser Zusammentreffen mit Freunden, die wir 2014 in einem Whirlpool im kalifornischen Ventura kennenlernten und im niederbayerischen Wurmannsquick zu Hause sind. Nach feuchtfröhlicher Sonnwendfeier mit einem scharfen Rüsselheber (fragt lieber nicht) waren zwei Berliner dann plötzlich auch noch Fördermitglieder der freiwilligen Feuerwehr Hirschhorn. Jetzt müssen wir nur noch die regelmäßig stattfindenden Kameradschaftsabende in unseren Terminkalender eintakten, sechs Stunden dort hinfahren und Fördermitgliedsachen machen.

 

Doch damit nicht genug. Wir hatten noch dazu die große Ehre, der ersten Fahnenweihe unseres Lebens beizuwohnen. Nur ohne Rüsselheber. Dabei handelte es sich um eine Jubiläumsfeier mit Gottesdienst, in diesem Falle dem 125-jährigen Bestehen der freiwilligen Feuerwehr Rattenbach, und feierlicher Einsegnung der Fahne inklusive Umzug der Feuerwehren durch das Dörfchen bis hin zur Feldkirche und zurück. War irgendwie wie Karneval, nur ganz ohne Kamelle und mitten im Sommer. Es hat uns sehr großen Spaß bereitet, Teil der ersten Großveranstaltung als frischgebackene Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Hirschhorn gewesen zu sein.

Aber wir wären nicht Traveling Mac, wenn wir nicht noch zusätzlich ein paar Sehenswürdigkeiten in unser Programm aufgenommen hätten, die es so richtig in sich hatten, mit allem Pipapo sozusagen. Freundlicherweise haben sich unsere bayerischen Gastgeber nämlich dazu erbarmt, zwei dusseligen Berliner Touristen das bayerische Land näher zu bringen. Den Anfang machte das gute, alte Schloss Neuschwanstein und Hohenschwangau, Führung inbegriffen. Hierzu solltet ihr auf jeden Fall online Karten reservieren, um an der Pöbelschlange vorbei, Euch gleich an der  König-Ludwig-II.-Schlauberger-Gedenkschlange anzustellen. Geht schneller, und vergesst am Ende bloß nicht, euer süffisantes Lächeln aufzusetzen, wenn ihr mit den Tickets in den Händen an der wartenden Menschenmenge vorbeischlendert. Das würde König Ludwig II. so wollen. 

 

Die beiden Schlösser ohne Führung zu besichtigen ist nahezu sinnfrei, obwohl sie selbst von außen betrachtet, schicki anzusehen sind. Aber das war es auch schon. Die Führer scheinen zu wissen, wovon sie reden, auch wenn wir das eigentlich so gar nicht richtig beurteilen können. Klang aber plausibel, obwohl wir das mit dem etwa 150 Jahre alten Brot nicht ganz glauben können. Doch wenn ihr das sagt muss es ja wohl stimmen.

Wenn wir schon gerade vom Führer sprechen, ging es für uns am nächsten Tag an den Obersalzberg. Dort wartete auf uns vier noch eine gut organisierte Führung durch das 500 Jahre alte Berchtesgadener Salzbergwerk, um sich mal ein Bild davon zu machen, woher unser leckeres Salz denn so stammt und was gutes Salz überhaupt ausmacht? Wir haben aber leider bei all dem Trubel vergessen, der Frage auf den Grund zu gehen, warum Salz überhaupt ein Haltbarkeitsdatum hat, wenn das schon so lange da unten vor sich hin schlummert? Doch irgendwann werden wir diese unangenehme Frage in den Raum werfen und dann seid ihr gefragt, Amigos. 

 

Aufgrund der knapp bemessenen Zeit, die wir an diesem Tage hatten (die Anfahrt von Hohenschwangau dauerte ja schließlich schon drei Stunden), mussten wir leider die Besichtigung des Kehlsteinhauses auf dem Obersalzberg hintanstellen und flitzten nach getaner Bergwerksbesichtigung, die wirklich sehr empfehlenswert ist, gleich weiter in Richtung Königssee und stachen bei bestem Königsseewetter in selbigen für die Überfahrt von Schönau auf die Halbinsel Hirschau mit der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä. Von Schönau hat man dann zumindest die Möglichkeit, das bereits genannte Kehlsteinhaus, von unten über Schönau thronend zu betrachten und unser Zoomobjektiv hat sich wirklich alle Mühe gegeben, zumindest einige wenige deutliche Fotos davon zu schießen. Das nächste Mal steht in jedem Falle eine Fahrt hinauf auf den Obersalzberg auf dem Programm, inklusive der Besichtigung des Eagle's Nest, wie das Haus schon bei Zeiten genannt wurde und darunter auch bis heute weltweit bekannt ist. 

nicht immer sicher sein kann, ob wirklich allen Besuchern die Geschichte dahinter bekannt ist. Von der NSDAP im Jahre 1938 fertiggestellt und Adolf Hitler im darauffolgenden Jahr zu dessen 50. Geburtstag geschenkt. Das ist zumindest die Kurzfassung Eures Erklärbärs. Selbst schien er von dem Haus wohl so wenig begeistert, dass er nur höchstens ein Dutzend mal den Weg auf den Berg fand. Erst war ihm der Aufzug nicht sicher genug, dann der Weg hinauf zu anstrengend und unsicher. Vielleicht sollten wir aus Eigeninteresse einfach allesamt dafür sorgen, dass solche Jammerlappen nie wieder irgendein Land regieren. 

 

Doch bevor ich mich hier noch in Rage schreibe und ausfallend werde, kehren wir lieber in einen Ort ein, der besinnlicher kaum sein könnte - Altötting! Glücklicherweise schienen sich die Pilger gerade in einer gewissen Pilgerpause zu befinden, denn, so teilte man uns mit, sei der Kapellplatz sowie die darauf befindliche Gnadenkapelle meist gut gefüllt mit Menschen, die die in der Kapelle stehende "Schwarze Madonna" um Hilfe eines Wunders bitten wollen. Die Votivbilder (in Summe um die 2000), die die Kapellwände innen wie außen schmücken, sind eindeutig ein Zeichen dafür, dass diese geschehen können - rede hier aber nicht von so etwas wie dem Wunder von Bern. Denn das war meines Erachtens, wie immer im Fußball, einfach nur Dusel. Doch lasst uns gleich mal wieder zurückkehren in das Pilgerdörfchen. So befinden sich nämlich in der Kapelle gegenüber der schwarzen Madonna in kleinen Nischen aufgestellte Gefäße, die lange Zeit für Mitglieder des Hauses Wittelsbach zur Herzbestattung dienten. Soweit wir den Pilgerbeauftragten von Altötting verstanden habe, können die Wittelsbacher dort bis heute ihre Herzen - aber bitte erst nach dem Ableben - bestatten lassen.

Wie zur Verabschiedung unserer Reise fanden wir uns dann noch in der Stiftspfarrkirche ein und wurden Zeugen von den Feierlichkeiten zum Diamentenen Priesterjubiläum von August Sparrer und einer herausragenden Darbietung des Liedes 'Te Deum'. Die Kirche hätte bestimmt nicht so mit dem Heranziehen des Nachwuchses zu kämpfen, wenn sie des Öfteren einfach solch einen fetzigen Gassenhauer in ihre Gottesdienste einbauen würden. Zur Erstellung einer geeigneten Setlist könnt ihr Euch gerne jederzeit bei uns oder des Chors von Altötting melden. 

 

Einen herzlichen Dank an Steffi und Stefan und ihre ungemeine Gastfreundschaft, die wir erfahren durften. Die Reise bei mehr Beinfreiheit, obwohl wir diese noch nicht einmal dazugebucht hatten, war wunderbar entspannend. Wir werden uns bestimmt bald wiedersehen und grüßt uns unsere Kameraden der FFW Hirschhorn. Wir wünschen Euch immer eine Handbreit Wasser im Tank! Heute kommt nichts mehr. Also abschalten, tschüss!

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